Die heilende Wirkung negativer Bewertungen

Neulich im großen Online-Auktionshaus… Man beachte: Die Geschichte fängt nicht mit „es war einmal“ an, denn sie ist kein Märchen. Ich kommentierte die Geschehnisse in mehreren privaten Unterhaltungen mit „es ist ein Traum“ – aber auch das war es (leider!) nicht. Manchmal frage ich mich echt, ob nur ich diese Fäkalien am Schuh habe, oder ob das inzwischen einfach der normale Lauf der Dinge ist.

Schon lange brauchte ich einen Akkuschrauber, mehrfach hatte ich Blasen an den Händen von den vielen Basteleien rund um Schrauberhalle und Wohnbüros. Es ist einfach zu viel zu tun, was man mit einem herkömmlichen Schraubendreher nicht schafft, sofern man keine Haut aus Leder und Sehnen aus Stahldraht hat. Na gut, sollte ja kein unlösbares Problem sein. Mit einem Freund tauschte ich mich aus und so fiel die Wahl auf die blaue Bosch Profi-Serie, bei der zwar auch nicht alles Glänzende Gold ist, aber wenigstens Ersatzteile preiswert verfügbar sind, wenn mal was kaputt geht.

Ich suchte nach einem bestimmten Modell und der besten Ausstattung, natürlich auch zum besten Preis. Nach einer Weile fand ich ein Angebot mit 2 2AH Akkus und 6A Schnellladegerät dabei, zudem sollte es einen Bits-Kasten dazu geben. Etwas Besseres fand ich nicht. Eigentlich wollte ich nicht beim großen Auktionshaus kaufen, aber man ist eben doch Schotte – oder Schwabe. Sparen ist toll, auch wenn Geiz weder geil noch sinnvoll ist. Bestellt und bezahlt war es gleich, wir schrieben Sonntag, den 3.9.2017.

Zu meiner großen Freude wurde das Paket für Mittwoch den 6.9. angekündigt. Am Dienstag, dem 5.9. kam der Postbote mit mehreren Umschlägen, alles andere Bestellungen. Ich gebe zu, ich hatte etwas den Überblick über meine Bestellerei verloren. Statt eines Akkuschraubers bekam ich bei der Übergabe einen kleinen Umschlag, in dem sich ein Bosch Widerstand befand. Na toll. Ich schrieb dem Verkäufer eine Nachricht über das ebay Nachrichtensystem:  „Hallo! Heute kamen ein paar Pakete hier an, unter anderem war ein als Paket frankierter Umschlag von Ihnen dabei. Dieser enthielt logischerweise nicht den für morgen avisierten und erwarteten Akkuschrauber, sondern einen Bosch Drahtwiderstand und eine Rechnung mit dem Empfänger (…) in 48565 Steinfurt. Im Gegensatz zum Herrn (…) bin ich natürlich nicht einverstanden mit der Vertauschung der beiden Artikel. Bitte lassen Sie mich wissen, wie es weiter geht. Bilder der Lieferung hängen an. Mfg Stephan Petschick“

Am nächsten Tag, Mittwoch dem 6.9., kam eine Mitteilung zurück: „Sorry, Umtausch mit Rückschein erfolgt umgehend ………………. da haben wir versehentlich den Aufkleber vertauscht“

„Schon“ für Dienstag den 12.9. wurde eine Paketsendung angekündigt. DAS ist also „umgehend“!? Das Paket enthielt dafür tatsächlich den Koffer und den Akkuschrauber nebst Zubehör. Doch halt! Laut Beschreibung sollte es ein AL 1860 CV Ladegerät mit 6A sein, im Koffer war aber ein AL 1820 CV, das mit seinen 2A etwa 1 Stunde braucht, um einen leeren Akku zu laden. Ich war schon ziemlich angepisst, kann man sich wohl vorstellen.

Am Mittwoch dem 13.9. kam früh morgens eine E-Mail mit dem Betreff „Rücksendung Bosch“. Text: „Bitte um Rücksendung. Danke!“
So freundlich wurde ich also aufgefordert, den fälschlicherweise an mich gelieferten Widerstand mit dem der E-Mail anhängenden Paketschein zurück zu schicken. Ich fuhr zu meinem Arbeitsplatz 3 Orte weiter, wo meine Chefin den Paketschein für mich ausdruckte.

Ich schrieb eine Nachricht an den Händler zurück: „Das richtige Paket ist gestern angekommen, allerdings befand sich das falsche Ladegerät im Set. Laut Angebot sollte ein AL 1860 CV Schnelllader beiliegen, es war allerdings nur der Standardlader AL 1820 CV enthalten. Heute früh erreichte mich die E-Mail mit dem Rücksende-Paketschein für den am 6.9. fäschlich an mich gesandten Bosch Drahtwiderstand. Mein Vorschlag wäre, dass ich mit diesem Paketschein den Widerstand und den Standardlader zurückschicke (gewichtsmäßig müsste das mit dem 1kg gerade so hinkommen) und Sie mir schnellstmöglich den Schnelllader zukommen lassen. Das spart immerhin einen weiteren Paketschein für den Rückversand des Ladegeräts. Ist das so in Ihrem Sinne? MFG Stephan Petschick“. Im Anhang einen Screenshot des Lieferumfangs laut Angebot und 2 Fotos von den tatsächlich gelieferten Sachen.

Am Donnerstag dem 14.9. antwortete ich nach dem Packen der Rücksendung auf die E-Mail: „Der zuerst geschickte Bosch Widerstand und das falsch gelieferte Ladegerät samt dessen Bedienungsanleitung aus der zweiten Lieferung wiegen fertig gepackt zusammen 800g. Bitte beachten Sie hierzu meine ebay-Anfrage, hier nochmals als PDF anhängig. MFG Stephan Petschick“. Wieder hängte ich zusätzlich die 3 Bilder an, die schon in der vorherigen Nachricht anhingen.

Die Woche verging, das Wochenende ebenso, der Montag war halb vorbei – keine Antwort. Für eine Firma, die sich „Industrieversand“ nennt, war das ja schon etwas mau. Donnerstags, Freitags oder Montag Morgen kann man doch irgendwann mal 5 Minuten zum Antworten finden, gerade wenn doch etwas schiefgegangen ist. Die Anzeige im Auktionshaus war inzwischen auf das 2A Ladegerät geändert worden. Jetzt kam ich mir endgültig verarscht vor. Was blieb? Der angepriesene Käuferschutz des Auktionshauses ist eher ein Witz, denn wenn man auf „Fall melden“ klickt, kommt man nur auf eine FAQ, in der man keinen Fall melden kann. Gut, dann würde ich eben das falsche Ladegerät behalten und wenigstens andere Kaufinteressenten vor Geschäfte mit diesem Verkäufer warnen, indem ich eine negative Bewertung abgeben würde. Gedacht, getan, es war Montag Mittag, 18.9.2017. Anschließend bekam ich dann doch die Möglichkeit, einen Fall zu eröffnen und dem Verkäufer eine Nachricht wegen einer Rücknahmeanfrage zu schicken. Noch eine Nachricht? Echt jetzt? Die bisherigen hatten ja auch keine Reaktion hervor gerufen. Außerdem wollte ich keine Rücknahme, sondern den Schrauber einfach behalten. Wer weiß denn, wann ich endlich mein Geld wieder zurück bekäme, um mir woanders einen Akkuschrauber zu besorgen…? Aber gut, doch eine Nachricht. Ich entschied mich für die 3. Person, weil der Händler sich eh nicht angesprochen fühlen würde und die Nachricht eher für das Auktionshaus bestimmt war. Betreff (der passendste aus einer vorgegebenen Auswahl): „Der Artikel entspricht nicht der Beschreibung oder den Fotos“. Text: „Statt des Ladegerätes AL 1860 CV (6 Ampere) war nur ein 2 Ampere Ladegerät AL 1820 CV im Set. Auf 2 Anfragen reagierte der Verkäufer nicht, was diesen Fall zu einem Betrug und nicht zu einem Irrtum macht. Inzwischen ist die Anzeige geändert und es gehört ein 2 Ampere Ladegerät zum Lieferumfang. Mit dem kleinen Ladegerät hätte ich den Schrauber bei meinem Händler 30 Euro günstiger bekommen, aber ich wollte eben das 6 Ampere Ladegerät. Der Akkuschrauber ist benutzt worden, ich wollte schließlich nur das Ladegerät ausgetauscht haben und den Schrauber behalten. Ich konnte ja nicht wissen, dass ich vom Händler ignoriert werde.“

Zusammen mit dem roten Tupfen im Bewertungsprofil erzielte diese Nachricht eine plötzliche Wirkung. Nur knapp 1 Stunde (!) nach der Bewertung kam eine E-Mail: „Aw: Re: Rücksendung Bosch“, Inhalt: “ ………… Umtausch ist bereits unterwegs …………….. bitte um Rücknahme ihrer negativen Bewertung.  Danke!“
Abends kam dann eine Paketankündigung für Dienstag den 19.9..

Dank bester Kommunikation (ja, ironisch gemeint!) kommt jetzt das Paket zu einer Adresse, unter der ich vermutlich erst nächste Woche wieder erreichbar sein werde. -Warum…???- Erst nicht antworten und dann überhastig ohne vorherige Info reagieren ist ja noch bescheuerter. Eine kurze Nachricht an mich hätte gereicht, dann hätte ich einfach meinen Arbeitsplatz als Empfängeradresse nennen können. Aber nööö, wenn schon falsch, dann richtig falsch.

Am Dienstag kam dann -natürlich- eine E-Mail von DHL, dass mein Paket nicht zugestellt werden konnte. Klar. Immerhin liegt die Rücksendung an den Händler auch noch im Auto, ich hatte ja keine Antwort bekommen, ob ich das Ladegerät zusammen mit dem Widerstand zurückschicken sollte. Ein Aufwasch also. Aber zuerst kontrolliere ich das angekommene Paket, sonst stehe ich am Ende mit einem Akkuschrauber ohne Ladegerät da…

Heute Morgen (Mittwoch 20.9.) kam dann noch eine Händlernachricht über das Auktionshaus: „Umtausch (Druckfehler unserseits) ist bereits bei ihnen. Bitte diesen Fall schließen und die Bewertung (negativ) zurück nehmen Danke! MfG“

Also echt jetzt!? Klar, den Fall schließe ich, sobald ich die Bestellung komplett in den Händen halte. Aber wieso sollte ich die schlechte Bewertung zurück nehmen? Erst sie brachte doch überhaupt eine Kommunikation ins Rollen und unberechtigt war sie auch nicht gewesen. Kam der Artikel bis zum Ankündigungstag an? 2x nein. Wie zufrieden war ich mit der Kommunikation? Äh, wo kann man Minussterne vergeben? Wie genau war die Beschreibung? Nun, zum Gelieferten passte sie nicht so richtig…

Einkaufen kann auch ohne Stadtbummel saumäßig anstrengend sein und ordentlich Nerven kosten…

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