Neue alte Gummis

So langsam wird es Zeit, den 814 auf die Straße zu bringen, auch wenn das erstmal nur für kurze Zeit sein wird. Reifen mussten her. Ich fand im Kleinanzeigenmarkt des Auktionshauses mehrere Reifen, aber meistens einzelne oder Paare. Die Hinterachse muss komplett „neu“ bereift werden, also wären 4 gleiche Reifen gut gewesen. Nachdem ich den Suchradius vergrößert hatte, fand ich tatsächlich 4 Reifen eines Atego in der Nähe von Stuttgart. 100km Luftlinie, 160km Fahrstrecke – einfach. Echt jetzt???

Der Anruf ergab ein gutes Bild der Reifen. Ein weiteres Gespräch mit einem anderen 814-Besitzer brachte zudem ein anderes Gefühl für die Preislage. 280 Euro wären ein guter Preis für 4 5 Jahre junge Continental Reifen, die ohne Nachschnitt noch 8-9mm Profil haben. Naja, es käme ja noch die Fahrt dazu, trotzdem. Bei meiner Jahresfahrleistung kommt es eh mehr auf das Alter an als auf die Profiltiefe… 😀 Also gut, dann auf nach Echterdingen.

Wir erreichten unser Ziel gegen 1 Uhr nachts. Im Ortskern fand ich tatsächlich einen Parkplatz, aber da plärrten irgendwelche Leute diskussionsfreudig herum, das fühlte sich nach keinem schönen Schlafplatz an. Ich fütterte das Navi mit dem Namen des Nachbarortes, mal sehen. Doch ich folgte den Fahranweisungen nicht, zunächst weil sie in zu enge Gassen führten. Die Bebauung änderte sich und ich erreichte den Ortsrand. Na hier war es doch prima! Wenn ich das richtig interpretierte, war am Ende der Straße noch ein Weg, der auf die Felder führte. Gleich mal ausprobiert.

Ein PKW kam angefahren und hielt am Straßenrand an. Der Fahrer stieg aus und kam in meine Richtung. Als er nahe bei mir war, grüßte ich ihn. Er grüßte zurück und meinte „na, nochmal mit dem Hund unterwegs?“ Äh, hm, was wohl sonst, ich habe jedenfalls einen dabei!? Aber ich kenne das ja, man steht irgendwo fremd herum, da will schon mal jemand wissen, ob man gerade auf einem Raubzug ist. „Wir sind gerade angekommen und Hundchen wollte unbedingt noch ein paar Geschäfte erledigen.“ – „Wie, angekommen?“ – „Mit dem Wohnmobil da hinten.“ – „Das rote? Wo kommt Ihr denn her?“ – „Jetzt gerade aus der Pfalz. Ich will hier im Ort Reifen kaufen und nachts fährt man bei diesen Tagestemperaturen einfach angenehmer.“ – „Für Reifen kommst Du aus der Pfalz hier her gefahren?“ Ich muss zugeben, das dürfte nicht alltäglich stattfinden… 😀 „Das sind gebrauchte Reifen für einen LKW, die neu rund 1000 Euro kosten…“ Das klang plausibel und leuchtete meinem Gegenüber ein. Das Eis war gebrochen. „Da stehst Du gut, ist eine ruhige Ecke und es ist genug Platz. Nur morgen früh um 6 Uhr ist die Nacht vorbei, wegen der Flugzeuge. Da drüben ist gleich der Stuttgarter Flughafen.“ Noch etwas Smalltalk und schon waren Happy und ich wieder alleine auf dem Feld.

Ja, es flogen tatsächlich alle paar Minuten Flugzeuge im Landeanflug über uns hinweg, aber nein, die Nacht war deswegen noch längst nicht um 6 Uhr vorbei. Ich hatte im Winter direkt neben dem Flughafen in Schkeuditz gestanden, wo die ganze Nacht über Betrieb war – und hatte auch dort geschlafen. Dafür war das Gassi echt interessant, ich hatte die Kamera dabei und filmte ein paar Landeanflüge. So dicht über uns hinweg flogen die Maschinen, dass man meinte, sie anfassen zu können. Noch etwas näher am Flughafen ist ein kleiner Park um einen Zeppelin-Stein. Graf Zeppelin soll dort am 5. August 1908 das erste Mal festen Boden berührt haben. Wie oft er danach noch Boden berührte und wie weit es ihn dabei trug, bevor man dieses Manöver als „Landung“ ansehen konnte, steht nicht auf dem Stein. 😉 Wir verbrachten eine ganze Weile in dem Park und saßen die Hitze aus. Die Reifen konnte ich erst gegen 17 Uhr abholen, was auch prima klappte. Ein paar Schrammen vom Bordstein, aber sonst sind sie prima. 250 Euro waren dem Verkäufer auch genehm. Zu meiner Freude passten die Reifen nach etwas Räumen in den Kofferraum. Die volle Gasflasche steckte ich in die Reifen, die leere kam in den Wohnraum. Danach noch kurz eingekauft, dann steuerte ich die Residenz eines Forenfreundes in Uhlbach an.

Drei Nächte stand ich dort, genoss immer wieder die Weinberge, die hier viel intensiver bebaut werden als in meiner ehemaligen Heimat. Und die sind auch viel steiler, was den einen oder anderen Gassiweg anstrengend macht. Zudem war es tagsüber echt warm. Dummerweise übertrieb ich es wieder mit den Gassirunden und Happy quittierte das mit übelstem Dünnschiss. (Sorry dass ich so ins Detail gehe, Bilder davon kommen aber keine! 😉 ) So verbrachten wir nach einer verkorxten Nacht einen kompletten Tag im Wagen, wo ich aus taktischen Gründen weder draußen im Schatten sitzen, noch die Schiebetür offen lassen konnte. Immerhin stand der Wagen im Schatten, das machte es recht erträglich. Happy verschlief den ganzen Tag, wollte nichts essen und nichts trinken. Erst als es dunkel war, musste er doch noch ein paar Reste loswerden und futterte danach auch etwas Trockenfutter.

Jetzt bin ich ja nicht gerade ein großer Fan von Sightseeing, aber mir wurde nahegelegt, mich doch mal drauf einzulassen. Darauf werde ich auch sicher zurückkommen, denn gefallen hat es mir dort schon. Völlig anders als ich es mir vorgestellt hatte. Die Heimfahrt legte ich wieder in die Nacht, was u.a. Temperaturgründe hatte. Lief alles ganz gut, ich wurde auf einem Parkplatz auch meinen inzwischen angesammelten Müll los, keine besonderen Vorkommnisse. Gegen 2:30 Uhr parkte ich in Maxdorf und hatte nach einer Minihunderunde auch keine Einschlafprobleme.

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