Dangelsdorf

„Dorf“ trifft in dem Fall eigentlich nicht zu, „Siedlung“ passt wohl eher. Ich schätze die Einwohnerzahl des aktuellen Dangelsdorf auf weit unter 50. Die Einwohnerzahl des alten Dangelsdorf liegt bei 0 und das wohl schon seit etwa 1375. Einziger Zeuge der alten Siedlung ist eine Kirchenruine aus dem 14. Jahrhundert, die mitten im Wald versteckt ist.

Dieses Mal war es aber nicht so, dass ich losgezogen wäre, um einen Lost Place zu suchen. Vielmehr bin ich zuerst Richtung Kloster Lehnin losgezogen, weil ich Wasser brauchte. Der Stellplatzführer behauptete, dass das 3-Sterne-Hotel „Seehof“ einen ganzjährig geöffneten Stellplatz hätte, an dem man auch Strom und Wasser bekäme. Also fuhr ich von Beelitz nach Kloster Lehning über die Autobahn, weil ich dort meinen Müll leicht auf einem Parkplatz entsorgen konnte. Das Hotel war auch ausgeschildert, der Stellplatz jedoch nicht. Aber man würde mir im Hotel ja bestimmt weiterhelfen können.

Außer der leuchtenden Weihnachtsdeko Winterdeko am Haus war fast alles dunkel. Nach Hochsaison sah das nicht aus. Aber an der Rezeption brannte Licht, also ging ich rein. Am Thresen stand ein Schild, dass man bei unbesetzter Rezeption die Nummer 180 wählen sollte, was ich auch tat. Kurz danach kam auch schon ein Mann angewuselt. Stellplatz ja, Strom ja, aber sie hätten Betriebsurlaub und es gäbe kein Zimmer und nichts zu essen. Ich erklärte dem Mann, dass ich Wasser bräuchte. Ui, ganz schlecht, weil ja alles abgedreht sei. Er erklärte mir kurz den Weg zum Stellplatz, schob mich zur Tür raus und schloss hinter mir ab. Also nach 10 Euro Stellplatzgebühr fühlte sich das jetzt nicht an. Klar machen die ihr Hauptgeschäft mit Hotel und Restaurant, aber das war jetzt doch sehr schäbig. Da wollte ich dann doch nicht bleiben, parken kann ich weit günstiger und Strom kommt beim Fahren rein, soll er seine Steckdose mal schön behalten.

Internet funktionierte dort am Arsch der Welt nicht, also fuhr ich erst mal wieder an die Landstraße. Dort überlegte ich kurz, wie ich nun weiterfahren wollte. 10 Liter Wasser hatte ich noch im Kanister, der Tank hatte auch noch keine totale Ebbe, ein paar Tage könnte ich also noch überbrücken. Magdeburg wäre ein ganz schöner Haken gewesen, direkter auf dem Weg lag Halle. Schon wieder Halle? Naja, warum nicht, ich wollte ja sowieso nochmal mit der Kamera durch die Stadt. Also sagte ich dem Navi, es solle mich unter Umgehung von Autobahnen nach Halle lotsen. Go!

Jetzt war es schon dunkel und ich hatte dadurch nicht viel von der Fahrerei. Aber die Akkus freuten sich. In den meisten Dörfern hatte ich meinen Spaß, auch wenn ich seit einer Weile erfolglos nach einem einigermaßen lauschigen Übernachtungsplatz suchte. Irgendwie waren die meisten Ortschaften leicht überfordert von so viel Auto, oder es gab nur unschöne Standplätze. An einer Baustelle bog ich falsch ab und wurde über mehrere halbe Landstraßen geführt, bei denen eine Hälfte asphaltiert ist und die andere Hälfte gerade mal verdichtet, sodass man nicht im Sand versinkt.

Nach ein paar weiteren Irrfahrten durch kleinste und winzigste Dörfer, die von der Landstraße her mehr zu sein vorgaben, ließ meine gute Stimmung langsam nach. Ich wollte irgendwo parken, hatte einfach keinen Bock mehr. Und schon flog an mir ein Schild vorbei, dass ich Kürze ein Wandererparkplatz käme. Ja wie geil! Und der Parkplatz kam, viel kleiner als erwartet, aber ich konnte das Heck überstehen lassen und kam so mit einer Parkbucht beinahe hin.

Am Parkplatz standen Wegweiser, einer davon zur Kirchenruine. Echt jetzt? Im Internet fand ich dann auch Infos über die Wüstung Dangelsdorf und die etwas ungenaue Geschichte drumherum. Also dafür hatte sich die ganze Herumirrerei doch gelohnt. Langsam macht mir diese ganze „Autobahn vermeiden“-Geschichte richtig Spaß.

Auf dem Weg zur Ruine am nächsten tag, vertrat sich Happy dummerweise bei Vollgas in einer Steilkurve und humpelt nun auf dem linken Vorderbein. Mist! Da wir direkt an der Kirche waren, machte ich meine Fotosession und wir humpelten danach die rund 2km zum Wagen zurück. Normalerweise hatte ich nach der Ruine noch ein anderes Ziel gesetzt, das versuche ich die Tage mal nachzureichen. 😉

2 Gedanken zu „Dangelsdorf

    • Moin Marcus! Wie man’s nimmt. Die Gelenke sind im Eimer und da lässt sich auch nichts reparieren. Der Spinner macht aber auch nicht langsam, will immer wieder losrennen und sich auspowern. Also kurze Leine, was uns beide ziemlich nervt und bei ihm weitere Kraftreserven anstaut. Ich habe wieder Canicox HD bestellt, das hatte ihm meiner Meinung nach geholfen. Dann halt mal sehen, wie er dieses Mal drauf reagiert. Vermutlich braucht er das jetzt immer und muss trotzdem geschont werden. Aber gut, solange er läuft, laufen lassen. Wirklich ernst wird es erst, wenn er sich nicht mehr bewegen will.
      Deine Genesungswünsche richte ich aus, wenn er wieder wach ist… 😉

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