Rathenow / Parey

Die Fahrt ging weiter nach Rathenow, wo ich mit mit einem anderen Düdofahrer treffen wollte, den ich übers Internet kenne. Wir wollten den Jahreswechsel zusammen bestreiten, ohne Hektik und ohne Böller, mitten in der Natur.

Zunächst kam ich durch Loburg, am Bahnhof und dem Eisenbahnmuseum vorbei, wo ich mich 2009 schonmal umgeschaut hatte. Dieses Mal hielt ich aber erst kurz vor dem Ortsausgang nochmal, holte die Kamera von hinten und knipste einen Robur, der wohl auch gerade am Verenden ist.

Auch nicht ganz vollständig, aber dafür sehr viel schöner anzuschauen, war in Magdeburgerforth ein ZIL 131 6×6 mit aufgebauter Bohrmaschine. Für den Werbeträger einer Brunnenbaufirma hatte man extra ein Betonfundament gesetzt, damit der alte Russe keine nassen (und dreckigen) Füße mehr bekommt. Tolle Idee und erfüllt sicher auch ihren Zweck.
Auf der anderen Seite von Magdeburgerforth haute ich nochmals die Bremse rein. Der alte Bahnhof war es dieses Mal aber nicht selber, der es mir angetan hatte. Vielmehr waren es Schmalspur-Lokomotiven, die ich im Vorbeifahren gesehen hatte. Also kehrt und Kamera frei. Das Gelände war verständlicherweise unzugänglich, aber durch den Wald konnte ich doch ein paar Fotos machen. Wer sich für die Kleinbahn des Kreises Jerichow und den Traditionsverein e.V. interessiert, darf dort weiterlesen. 😉

Ich hielt schon bei den letzten Dörfern vor Rathenow Ausschau nach einem Standplatz, aber irgendwie war das nicht erfolgreich. Direkt an der Durchgangsstraße wollte ich nicht und die Seitenstraßen waren gleich wieder so schmal, dass ich dort auch nicht glücklich geworden wäre. Und dann hatte ich quasi auch schon Rathenow erreicht. Bloß nicht mittenrein, dachte ich mir so und bog in ein Wohngebiet ab, in dem ich auch einen Parkplatz fand. Dass dies einen Anwohner und durch den die Polizei auf den Plan rief, berichtete ich ja schon vorab. Dafür war der Rest der Nacht dann sehr ruhig…

Am nächsten Tag ging ich wieder mit Happy los. Ich meldete mich nicht bei meinem Nachbarn ab, er wusste ja jetzt, dass ich mich im Wald auskenne. 😉 Ich hatte auch ein Ziel festgelegt, es gab in der Nähe meines Standplatzes nämlich ein Nebenlager des KZ Sachsenhausen, dessen über 1000 Häftlinge (m/w) in den ARADO-Werken Heidefeld Zwangsarbeit verrichten mussten.

Vom KZ Nebenlager ist nichts mehr übrig, lediglich eine nüchterne Gedenktafel markiert den Ort. An die ARADO Flugzeugwerke hingegen erinnern Straßennamen wie „An den Flugzeughallen“ und „Aradoallee“.

Was noch existiert, ist ein kleiner Bunker der ARADO Werke, der frei zugänglich ist. Den musste ich mir natürlich unbedingt ansehen, klar. Er ist allerdings wohl nur für auserwählte Personen gedacht gewesen, wie allein schon die Größe zeigt. KZ-Insassen galten damals als nachwachsender Rohstoff und mussten natürlich nicht vor Fliegerangriffen geschützt werden.

Ich fuhr weiter nach Parey. Dafür musste ich gegen Ende ein sehr langes Stück kerzengerade durch schier endlose Felder fahren. Hier kam mir dann zwangsläufig der Gedanke „Wenn ich irgendwann mal eine Leiche loswerden muss, dann finde ich hier den geeigneten Fleck…“. Aber vorsicht, wer nicht in Parey bremst oder scharf abbiegt, fährt direkt in die Havel. 😉

Mein Kollege war zum Glück noch nicht auf dem geplanten Standplatz, sondern parkte in Parey. So fuhren wir gemeinsam raus ans Wasser. Alleine wäre ich niemals auf diesen Platz gefahren, die Angst, mich dort in der Wildnis festzufahren, wäre viel zu groß gewesen. (Ja, ich bin bekennendes Weichei! :-P)

Den Silvesterabend verbrachten wir mit einigen Dorfbewohnern an der Naturbadestelle, wo in einer Feuerschale Feuer gemacht wurde. Diverse Kinder waren mit Leuchtfeuerwerk und sich selbst beschäftigt, während die Erwachsenen in völlig entspannter Stimmung am Feuer schwatzten. Gegen 20 Uhr löste sich die Runde auf.

Wir gingen wieder zu unseren Wagen und machten eine Aufwärm- und Futterpause. Wir hatten schon vorher etwas Feuerholz organisiert und so übte ich mich gegen 21 Uhr im Zündeln. Prinzipiell klappte das auch ganz gut, nur war ich zu zaghaft und das winzige Feuer hatte dem Wind nur wenig entgegen zu setzen. Auch meine Versuche, den Wind etwas abzuschotten, brachten nur einen Teilerfolg. Doch als mein Mitstreiter auftauchte und etwas trockenes Holz und Birkkenrinde im Gepäck hatte, brachte das den Durchbruch und sogar einiges an Wärme. Er hatte halt auch in größeren Dimensionen gedacht und sich nicht ganz so pingelig an die Einfassung aus Steinen gehalten. 😉

Das Jahr ging zu Ende und das neue kam still, klammheimlich und leise. Erstaunlich leise. In den umliegenden Orten wurden die Kirchenglocken geläutet und erst ein paar Minuten nach 0 Uhr ging das Geböller los. In Städten legen viele ja einen regelrechten Frühstart hin, aber hier nicht. (Na gut, wenn man von der Knallerei in den letzten beiden Tagen mal absieht… ;-)) So bis 1:30 Uhr hielt ich draußen durch, aber dann verkrümelte ich mich ins vorgewärmte Auto, wo ich auch ziemlich bald schlafen ging.

Heute machte ich eine kleine Runde durch einen Ortsteil und über die umliegenden Felder. Auf dem Heimweg traf ich noch einen Teil der Feuerschalenclique und wir hielten einen kleinen Schwatz. Happy ließ sich begeistert von den Kindern streicheln, dann verkrochen wir uns wieder ins Warme.

Da ich nun jemanden kenne, der einen Traktor hat, blieb ich einfach noch an der Havel stehen und fuhr nicht zusammen mit meinem Kollegen weg. Die Ruhe hier ist einfach ein Hammer. Außerdem habe ich ja erst weniger als die Hälfte des Dorfes gesehen…

2 Gedanken zu „Rathenow / Parey

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