Umkreis Zerbst

Ich verließ Frose mit dem Ziel Lindau/Zerbst. Es war übelst windig und ich kam mit dem kalten Motor gerade mal auf 60km/h. Auf der Bundesstraße besserte sich das dank Rückwind sehr schnell. Bei Ilberstedt verließ ich die „gelbe Autobahn“ wieder. Mein Zeitplan war ja nicht sonderlich straff, deswegen schaute ich mir die Stehmöglichkeiten am alten Bahnhof von Ilberstedt an. Dort war es aber nicht wirklich gemütlich und der Wind änderte diese Tatsache auch nicht gerade. Nach einer kleinen Hunderunde durch das Industriegebiet fuhr ich weiter.

Bernburg hätte mich ja schon interessiert, allein bei der Durchfahrt sah ich viele schöne und interessante Ecken. Nur hatte ich wie meistens keine Lust auf viele Menschen. So beließ ich es beim Transitverkehr und setzte es einfach mal auf die „später“-Liste.

In Köthen machte ich nur einen Zwischenstop zum Einkaufen. Warum die Leute alle so böse schauten, ist mir unbegreiflich. Liegt vielleicht an mir. Ob die Angst bekommen, wenn ich freundlich grüße, obwohl ich sie garnicht kenne?

In Aken schaute ich wieder nach Standplätzen, aber eher halbherzig. Einmal fuhr ich in eine kleine Straße, die dann ohne Wendemöglichkeit in einen naturgeschützten Feldweg über ging. Links und rechts Acker, direkt nach der Wohnbebauung. Ich wollte mich unter keinen Umständen festfahren und brach einen Wendeversuch ab. Ein Stück weiter schien eine Stelle geeigneter zu sein. Und schon stand einer der Anwohner vor seinem Grundstück und beobachtete meine erfolggekrönten Bemühungen. Muss ich erwähnen, dass ich auch hier meinen Gruß nicht erwidert bekam?
Also auf zur Elbe. Aken hat nämlich eine Fähre über die Elbe. Interessante Technik, die man hier öfter findet. Die Fähre hängt nämlich an einem Stahlseil, das mitten im Fluss befestigt ist. Bojen halten dieses sogenannte Gierseil vom Grund fern und machen es gleichzeitig für Boote erkennbar. Am Gierseil sind mit ein paar Metern Abstand zur Fähre zwei weitere Seile befestigt, die mit Seilwinden an Bug und Heck der Fähre verbunden sind. Durch sie wird die Fähre schräg zur Stömung gestelllt und so ohne weitere Motorkraft von Ufer zu Ufer bewegt. Die Überfahrt kostete 3,50 Euro und ich unterhielt mich derweil mit dem Kassierer über die Fähre und die „guten alten Zeiten“, in denen man die Elbe noch am Geruch erkennen konnte. 😉

Durch Zerbst fuhr ich nach Lindau. Dort hatte ich vor bestimmt 7 oder 8 Jahren beim Besuch einer Halle in Buhlendorf, sowie der Burg und dem alten Sanatorium von Lindau mal am alten Bahnhof genächtigt. Der Bahnhof war zu einem Gasthof umfunktioniert worden und der da schon schienenlose ehemalige Bahnübergang verriet, dass die Stecke der Kanonenbahn Berlin-Blankenheim nicht weiter benutzt wurde. Ich konnte damals also völlig gefahrlos über die Gleise ballancieren. Doch damit ist es nun vorbei, die Gleise und Stommasten sind nahezu komplett demontiert. Aber den alten Bahnhof gibt es nach wie vor und er wird auch noch bewirtschaftet. Zudem als Pension genutzt, finde ich eine tolle Idee! Hier blieb ich eine Nacht stehen. (Leider ist Annes MySQL Server nicht erreichbar, sonst gäbe es hier einen Link zu Annes Bahnhofsgaststätte & Pension…)

Zwischen Zerbst und Dreetz ist ein ehemaliges Militärgelände, das inzwischen mit einigen Windrädern und Solarzellen bepflastert wurde. Außerdem wird die Start- und Landebahn als privater Flugplatz benutzt. Ich wollte mich dort mal etwas umsehen, aber diverse Schilder verbieten das Betreten. Gut, bei den Schildern „Einsturzgefahr, Betreten verboten“ hätte ich argumentieren können, dass ich den Zaun bzw. das Tor, an dem sie angebracht waren, ja nicht betreten hätte. Aber klar, im Zweifelsfall ist Ärger vorprogrammiert. Die „Privatgrundstück, Betreten verboten“ Schilder sind hingegen unmissverständlich und laden nicht gerade zur freien Umsicht ein. Ich fand eine ehemalige Zufahrt ohne Schild und ohne verschlossenes Tor, aber letztendlich war mir die Besichtigung des Geländes keinen Ärger wert.

Auf dem Weg zu meinem nächsten Grobziel fuhr ich ohne Navi in Kerchau erst mal in eine Straße, die wieder mal zu einem Feldweg wurde. Ist aber auch toll ausgeschildert! Gefährlich, so nahe am Arsch der Welt, dass man ihn schon riechen konnte… 😉 Beim Wenden dann der Blick auf etwas Trauriges. Wieder einer weniger, einsam zum Sterben zurückgelassen…

… Na gut, nicht einsam, aber in der Gruppe stirbt es sich auch nicht wirklich besser… 🙁

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