Salzmünde

Ich bin von Saale aus wohl gerade mal 12km weit gekommen, da hielt ich auch schon wieder ganz spontan an. Ja, ich habe eine Schwäche für schön aufbereitete alte Häuser, aber eben auch für Industriebrachen oder alte Häuser, denen man ihren früheren Pomp nur noch in Resten ansieht und bei denen man viel Phantasie braucht, um sie als „schön“ anzusehen. Wahrscheinlich hatte mich Zeitz deswegen auch so in seinen Bann gezogen, dort gab es alles bunt gemischt. In Salzmünde warf ich den Anker, weil links schöne alte Häuser waren, rechts hinter mir Industriebrachen herauslinsten und auf einer riesigen Wiese ein einzelnes „Schloss“ stand – und das Ganze sogar ohne Stadt…

Viel von Salzmünde zu berichten weiß ich nicht, ich bin auch nach der heutigen Fahrt und den Erlebnissen an meinem aktuellen Standort etwas melancholisch. Die meisten Industriegebäude gehören den Gebrüdern Wentzel und dem traditionsreichen Kaolin- und Tonwerk. Letzteres existiert zwar noch, aber wohl eher auf minimalistischem Niveau. Kaotin wird in der Papierindustrie gebraucht, aber auch für weißes Porzellan. Wikipedia gibt da einen sehr interessanten Artikel her. Die Gebrüder Wentzel kümmerten sich um Saatzucht, hatten neben dem „Schloss“ früher Gewächshäuser. Ich sah auch bei der Abfahrt ein etwas neueres Industriegebäude mit der Aufschrift „Gebr. Wentzel“, keine Ahnung ob und wenn, was die noch machen.

Die liebevoll hergerichteten Wohnhäuser stammen wohl aus den 1920er Jahren und wurden für die Arbeiter der Firmen gebaut. Ich traf nicht viele Einwohner Salzmündes, dessswegen erfuhr ich nicht wirklich viel. Naja, ich will ja auch kein Lexikon schreiben. 😉

Im Nachbarort Schiepzig geht es wesentlich pragmatischer zu, wenn man von einer Pfälzer Burg mal absieht, das sich einer in den Vorgarten gebaut hat. Das interessanteste Bauwerk war meiner Meinung nach eine Soda-Brücke. Warum man die Rohre nicht einfach auf Betonsockel montiert hat, ist mir völlig unerklärlich. Aber gut, warum einfach, wenn man es auch kompliziert lösen kann… 😉

Heute fuhr ich weiter, erst lange an der Saale entlang, dann nach Hoym. Ich widerstand dem gelegentlichen Drang, anzuhalten und noch mehr alte Gebäude anzusehen. Ich wollte endlich sehen, was aus „meinen“ Gebäuden geworden ist, dem alten Umspannwerk Frose, das zwischen Hoym und Frose steht. Ich hätte besser unterwegs irgendwo angehalten und mir dort alte Gebäude angeschaut…:-(

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