Nähe Gera

Am Samstag fuhr ich von Jena aus nach Gera weiter und von dort nach dem Einkaufen noch weiter in nördliche Richtung. Ich hatte den Auftrag für die Besichtigung eines Vierseitenhofes. Der Ort war sehr klein und kaum war ich drin, war ich auch schon wieder draußen, aber ohne dass mir eine Parkmöglichkeit begegnet wäre.

Da ich die Besichtigung aber mit einer kleinen Pause von 1-2 Nächten verbinden wollte und auch kein Problem mit kleineren Spaziergängen habe, wollte ich es in einem der umliegenden Orte versuchen. Oder auf dem Weg dorthin, egal. Ich bog an der nächsten Möglichkeit rechts ab und folgte der Landstraße, die nach wenigen Metern gerade noch so breit war wie mein Düdo. Spannend! Alle paarhundert Meter gab es eine kleine Ausweichstelle. Der Ort, den ich erreichte, war noch niedlicher als der vorherige. Ich wurde begafft wie ein Außerirdischer. Also das würde hier noch viel weniger was werden mit der Parkerei. Ich fuhr wieder zurück durch die beiden Orte. Auf einer Zufahrt zu einem kleinen Teich parkte ich neben einem Solarpark und lief mit Happy zurück in den Ort.

Den Hof fand ich sogar ohne die Adresse zu kennen. Google Maps hatte mir 3 Möglichkeiten gelassen, was Vierseitenhöfe waren. Aber nur einer kam in Frage, weil er im Ortskern zu finden sein sollte. Eigentlich waren nur ein paar Häuser und Höfe um diesen Hof herum gebaut – das war der ganze Ort. Sah alles nicht passend aus. Ich habe auch keine Fotos von Ort und Hof gemacht, sorry. Ich ging wieder zum Wagen zurück, schließlich wollte ich vor der Dunkelheit noch einen Übernachtungsplatz finden.

Ich hatte gerade die Schiebetür offen, da hörte ich jemanden auf dem Gelände des Solarparks. Ich drehte mich um und sah eine Frau. Hallo, hallo. Ob der Hund lieb wäre, ob man ihn streicheln könnte – klar! Kaum war das Tor geöffnet, war Happy auch schon drinnen. Ein Mann kam aus dem Bürocontainer. Hallo, hallo Hund, hallo. „Willste’n Kaffee?“ Erst dachte ich, ich wäre im falschen Film gelandet. Normalerweise sind die Leute ja doch eher vorsichtig oder gar abweisend, wenn da plötzlich ein fremder Wagen steht. Aber klar, Kaffee. So saßen wir im Büro und schwatzten, als wären wir alte Bekannte. Aus meinem Wagenwohnen mache ich ja nie ein Geheimnis. So entwickelte sich eine bunte Unterhaltung aus Reisezielen im In- und Ausland, dem Wohnmobilleben und -natürlich- Solar. Als die beiden weg mussten, fragte ich einfach mal frech, ob ich da irgendwo für die Nacht stehen bleiben könnte. „Na klar, stell dich einfach oben vor das Tor, da störst du niemanden.“ Sehr cool! Und so weit vom Ort weg würde sich auch niemand durch die Hondasonne gestört fühlen, denn ich musste etwas für meine Akkuladung tun. Und sicherer könnte ich auch nicht stehen, gleich 3 Kameras hatte meinen Wagen im Blick.

Den Sonntag verbummelte ich größtenteils vor dem Tablet und spielte mit meinem Webserver. Ich lief nochmal durch den Ort und schaute mir den Hof etwas genauer an. Aber er wurde einfach nicht passender. Auch mit Spaziermöglichkeiten haben es die Einwohner nicht so. Ein einziger Weg führte seitlich hoch, aber da stand ein Schild „Privatgrundstück, betreten verboten!“ Keine Gehwege, rundum nur Landstraßen. Nicht gerade einladend. Egal. Ich ging noch durch das „Neubau“-Gebiet, aber schön ist anders. Also wieder zurück zum Wagen.
Ich stand direkt an der Zufahrt zu einem verlassenen Grundstück, die mit einem Zaun versperrt war. Bei Google Maps konnte ich sehen, dass auf dem Gelände weiter hinten irgendwelche Baureste vorhanden waren. Sah fast aus wie dachlose Hallen. Ich ging mit immer schwerer werdenden Schuhen über den gut feuchten Acker zur Rückseite des Geländes, wo dann auch kein Zaun mehr war. Das waren keine Hallen, sondern riesige Mulden. Auf den Betonrändern waren Schienen, wo mal ein Greifer oder ein Kran entlang gelaufen sein musste. Die Mulden beinhalteten eine leckere Mischung aus Müll, Schutt, Wasser und Grünzeug. Später erfuhr ich, dass das mal ein Kohlelager war, das zu einem Heizhaus gehörte, welches wiederum zu einem Rindermastbetrieb gehörte. Ich liebe es, so die Vergangenheit verschiedener Lost Places zu erfahren. Das Nebengelände könnte man wohl auch kaufen, aber die Vermüllung macht das nicht gerade lohnenswert… 😉
Ich machte noch eine Erkundungstour durch das angrenzende Industriegebiet. Viel Müll an allen Ecken und Enden. Kaum hat irgendwer etwas hingeschmissen, verlieren einige mehr die Hemmungen und legen ihren Müll dazu. Zuständig fühlt sich keiner, sieht aber auch nicht gerade schön aus.
Abschließend nochmal eine gute Stunde Hondasonne.

Heute kehrte ich dann wieder im Büro ein. Nur der Mann war da und wir schwatzten wieder in bunter Themenmischung. Auf einer Luftaufnahme wurde mir erst das gesamte Ausmaß des Solarparks klar. Ich ließ mir ein paar Details erklären und bekam dann sogar noch eine kleine Führung. Echt interessant! Ähnlich wie auf dem Düdo, nur eben mit „etwas“ mehr Watt und Einspeisung ins Stromnetz, was sich bei meinem Wagen natürlich nicht lohnen würde. Die einzelnen Panels haben je so um die 240WP, immer 22 sind in Reihe geschaltet und je 4 dieser Pakete gehen auf einen Wechselrichter. Über 17000 Panels stehen dort herum. Krass! Mir würden schon 2 reichen… 😉
Etwa jetzt kam auch wieder die Frau dazu und wir schwatzten nochmal. Dann war Abschiedszeit. Die beiden mussten wieder weg und ich wollte auch weiter, bevor ich keinen Nachtplatz mehr im Hellen fände. Grob in nördliche Richtung, erst im Fahrerhaus klickte ich irgendwo drauf und fuhr los. Jetzt stehe ich neben einem Stellplatz für Omnibus-Wohnmobile oder so… Interessante Beschilderung, aber alles mit PKW voll…

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