Zwischentour

Da war es nun so weit, ich musste „mal eben kurz“ in den Norden hoch fahren und einen Teil meines Krempels dort holen. Eigentlich war diese Fahrt als Tagesausflug mit einem vermeintlichen Freund in dessen PKW geplant gewesen. Aber wie das eben manchmal so geht, entpuppte sich das als Schuss in den Ofen. Zuerst machte dieser „Freund“ einen Rückzieher von der Fahrt und ich musste umdisponieren, was die Fahrt um etwa 14 Tage verlängern sollte. Kurz vor der Fahrt stellte sich dann heraus, dass der „Freund“ keiner war. Ich hasse notorische Lügner! Na sowas sortiere ich aber mal ganz schnell wieder aus. Da bin ich altmodisch, Qualität statt Quantität. Fand er nicht witzig und klar, ICH bin an allem schuld, damit kann ich leben. 🙂

In Thüringen fing zu dieser Zeit langsam der Herbst mit seiner bunten Färbung an.

Am 25.10. startete ich die Fahrt. Erstes Ziel: Das Outback von Jübar, gemeinhin intern auch gerne als „Lüdelsen“ bezeichnet. Gerade so in Sachsen-Anhalt und in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen deutsch-deutschen Grenzstreifen gelegen, kann man dort in totaler Funkstille ausharren. Dummerweise auch ohne nennenswertes Internet, sofern dieses über Funk übertragen werden soll. Dafür gab es jede Menge Pilze, aus denen ich mir mangels fundierten Wissens über die Genießbarkeit nichts mache. Für die Kameralinse waren sie jedenfalls völlig unbedenklich.

Es folgte die nächste Etappe am 28.10. und sie führte mich bis nach Meldorf. Der erste Abend war von der langen Fahrt geprägt und es war gut, alleine und in Ruhe runter zu kommen. Am nächsten Tag, Samstag, fuhr ich die paar Kilometerchen zur Nordsee heraus, die mich dieses Mal sogar auch empfing. Ein Rumtreiberkollege kam mich besuchen und wir saßen lange bei ihm im Wagen und unterhielten uns. Am Abend kam dann mein Schwager mit Hundchen Tascha zu uns raus gefahren und wir gingen zum Meldorfer Hafen und zurück, am nächsten Tag sollten wir uns wieder sehen. Die Nacht verbrachten wir Wagenbewohner unbehelligt auf dem Parkplatz am Meer. Als ich am Sonntag aufwachte, stand ich alleine da. Ich schnappte mir Happy und wir machten einen Spaziergang am Meer entlang Richtung Büsum. Dann war es auch schon Zeit für einen Umzug nach Meldorf. Erst räumten wir meine Sachen vom Speicher, breiteten sie neben meinem Wagen auf der Wiese aus und überlegten, wie das alles noch in den Düdo passen sollte. Aber es passte erstaunlich gut, nachdem wir zu dritt in meinem Wagen 3D-Kofferraumtetris gespielt hatten. (Ein hydoponisches Gewächshaus und den Schneideplotter räume ich seitdem übrigens jeden Abend vom Bett und jeden Morgen wieder aufs Bett…) Ich verbrachte dann noch eine ganze Weile bei meiner Schwester und meinem Schwager, ließ mich einigermaßen auf den neuesten Stand bringen. Am Abend wechselte auch ich auf den unschönen, aber immerhin vorhandenen offiziellen Wohnmobilstellplatz und ließ den Tag wieder mit meinem Rumtreiberkollegen in seinem Mobil ausklingen. Wieder wachte ich einsam und verlassen auf. Ich ging rüber zum Haus und kümmerte mich dort um meine Wäsche, eine Dusche und etwas Kommunikation. Abends fuhr ich wieder zum Meer raus und -man könnte fälschlicherweise denken, es würde langweilig- verbrachte den Rest des Abends mit dem Kollegen Rollhausbewohner.

Der 1.11. war wieder ein Fahrtag, nach einer Gassirunde ging es los. In Lüdelsen machte ich nachts dann eine etwas unleckere Feststellung. Eine Maus hatte es entweder selber oder mit Katzenhilfe geschafft, in meinen Karton mit den Klebefolien zu fallen. Sie hatte wohl noch versucht, sich nach unten durch zu graben, verendete dann aber irgendwann in einer der Rollen. Die mumifizierten Überreste machten etwas Nacharbeit an meiner Ladung notwendig. Aber es kam noch schlimmer, das Klo war mal wieder voll und die Gasflasche dafür leer. Keine Ahnung wer den Düdo geplant und gebaut hat, aber es ist ein Unding, dass man den Kofferraum rechts leer räumen muss, um an den Gaskasten zu kommen. Noch blöder ist, dass das Bett nass wird, wenn es in der Zeit der offen stehenden Tür regnet. Ich nutzte eine kurze Regenpause für den Tausch. Foto vom Kofferraum, dass ich nachher alles wieder rein bekäme, dann schnell alles auf die Wiese, Gasflasche raus, Gasflasche rein, alles wieder in den Kofferraum geräumt. Und nicht lachen, ich war froh über das Foto, sonst würde ich wahrscheinlich jetzt noch pusseln. Anschließend Klo geleert und die Maus entsorgt. Der untere Teil der Rolle war ekelig und ich entschied, die teure Folie etwas zu kürzen und auf eine leere Papprolle zu wickeln, dafür die verseuchte Rolle zu entsorgen. Bäh! Musste aber sein. Ich blieb noch ein paar Tage, ging oft spazieren und knipste wieder Pilze. Vier Exemplare wären ohne Fukushima vermutlich nicht so gewaltig groß gewachsen (oder doch?), ich habe zum Großenvergleich mal meine Hand bzw. Happy mit geknipst, was natürlich auch wieder nur relativ ist, weil ja nicht jeder meine Hand bzw. meinen Hund kennt. Egal, ich hab es versucht. Wie schon früher, bekam ich in Lüdelsen wieder Lust auf Gitarre. Meine Konzertgitarre hatte ich vor Langem verschenkt, die war auch nie so richtig mein Ding gewesen. Ebenso hatte ich mich bei der Wohnungsräumung von meinem halbakkustischen Bass und meinem E-Bass getrennt, zu groß, zu schwer. Eine kleine Westerngitarre sollte es sein, eine Wohnmobiledition sozusagen. Ich fand eine schöne von Fender, die MA-1 in Schwarz. Nur der Preis gefiel mir nicht so ganz, 129 Euro sollte die kosten. Ich bekam als Alternativprodukt die gleiche Gitarre in Rot angezeigt, die kostete nur 99 Euro, schon besser. Aber auch da wurde mir ein Alternativprodukt empfohlen, die gleiche Gitarre für 79 Euro – in einer anderen Farbe… 😉 Passt, gleich bestellt. Am Samstag wurde ich dann mit einem Käsefondue vom Feinsten verabschiedet, der nächste Tag war wieder ein Fahrtag.

Am 6.11. fuhr ich weiter nach Uslar-Offensen und besuchte dort ein paar „alte“ Freunde. Schon interessant, die Dörfer. In Offensen ist mein Auto ja schon bekannt und man macht sich keine Sorgen, dass in den nächsten Tagen die Einbruchszahlen steigen könnten. Anders sieht das stellenweise in den Nachbardörfern aus, wo dann doch mal ein Anwohner im Schutze seiner Garage heimlich um die Ecke linst. Kenne ich schon, kein Problem. Wer fragt, bekommt sogar offen und ehrlich eine Selbstauskunft von mir. Meistens wird aber nicht gefragt… Auch in Uslar wurde ich über die diversen Veränderungen der letzten Zeit informiert. Ich machte mich etwas nützlich und verbrachte schöne Tage und Abende. Einmal aß ich wohl etwas Verdorbenes und zog mir eine leichte Lebensmittelvergiftung zu. Seltsam, das kenne ich von mir überhaupt nicht. Normalerweise setzt mir nichts so schnell zu, aber diesen Abend verließ mich das Abendessen auf ungewohntem Wege und in geradezu nervender Häufigkeit. Erst traute ich mich nicht ins Bett, hatte Angst vor der Horizontallage. Aber es wurde dann doch eine gute Nacht und am nächsten Morgen war der ganze Spuk vorbei. Gut so, sonst hätte ich meine Gitarre garnicht von der Post abholen können. Nach dem Auspacken war sehr schnell klar, dass die wirklich enorm pink ist. Cool, mir gefällt sie. Jetzt muss nur noch ein Barbie oder Hello Kitty Aufkleber drauf, dann ist sie perfekt. Am Bahnhof gegenüber der Post entdeckte ich noch einen Düdo mit Druckluftbremsanlage und Frontantrieb. Diese Düdos mit Absetzcontainern hatte ich schon öfters gesehen und mir meine eigenen Gedanken der Teilegewinnung gemacht. Einen Fronttriebler geschlachtet und zur Allradkomplettierung eines „normalen“ Düdos verwendet… Nicht uninteressant, der Gedanke. Iglhaut wird es vermutlich so ähnlich gemacht haben, nur eben mit Neuteilen und „ein paar“ Jahre vorher.

Am 10.11. erreichte ich wieder Bad Berka. Die Fahrt war extrem nass und nervenaufreibend, ich war echt froh als ich es geschafft hatte. Hallenschlüssel habe ich gerade keinen und die Batterien des 814 sind zusammengebrochen, so wurde nichts mit dem Umparken. Der Hallennachbar muss sich also noch etwas gedulden, ich kann es nicht ändern. Ohne Hallenschlüssel kein Strom und somit auch kein Laden der Starterbatterien. Um nicht auf dem Gelände eingesperrt zu werden, wollte ich das Gelände wieder verlassen. Meine Bekannte wollte ich am nächsten Tag nach Weimar fahren, so stellte ich mich trotz einiger Bedenken vor das ehemalige Sprengstoffwerk. Ich hörte nicht mal das Gehupe der direkt an meinem Fenster vorbei fahrenden Züge, so müde war ich gewesen. Die Erledigungen am nächsten Tag absolvierten wir erfolgreich und mit viel Spaß – und natürlich kam es bei unserer Rückkehr wieder mal genau zu dem Stress, den ich befürchtet hatte. Manche Leute haben so dermaßen einen an der Waffel… Also brachte ich mich schnellstens aus der Schusslinie und fuhr zum Hallengelände rüber. Das Tor dort war -oh Wunder!- zu und abgeschlossen. Echt witzig, das Ding soll immer zu sein, steht aber nahezu immer offen, weil alle zu faul sind, es nach der Durchfahrt wieder zu schließen. Ausgerechnet jetzt war es mal für eine Weile zu und sogar abgeschlossen. Egal, ich wollte auch nicht dort warten. So fuhr ich zwei Orte weiter und stellte mich dort neben die Halle eines Baustoffhändlers. Auf Anfrage bekam ich heute mitgeteilt, dass ich am Montag Abend wieder den Schlüssel bekäme. Momentan die zweite Nacht hier, eine dritte wird folgen. Ich mag gerade nicht fahren, muss allerdings etwas auf meinen Strom achten. Und die Gasflasche wird auch demnächst wieder fällig sein. Dummerweise ist die Reserveflasche auch schon ordentlich angenagt. Das Wasser geht auch zur Neige, die V/E in Bad Berka ist defekt und verstopft (wieder mal) und in Weimar hatte ich dummerweise meinen Schlauch nicht dabei bzw. nicht erreichbar. Immerhin ist hier das Internet ganz gut und so gibt es heute endlich mal wieder ein Lebenszeichen von mir.

 

4 Gedanken zu „Zwischentour

    • Moin Marcus! Den habe ich auch als Vorlage zum Plotten, aber mir schwebt da eine etwas andere Abwandlung von Kitty vor. Mehr wird noch nicht verraten. Jetzt fehlt mir nur noch Strom für den Laptop und den Schneideplotter. Vielleicht sollte ich hier mal eine Straßenlaterne anzapfen… 😉

  1. Moin Moin

    Oh nicht gesehen in Meldorf
    naja :-))
    Stehen da sehr oft in Elpersbüttel Fg Fg Fg

    aber zur zeit ist ja auch keiner auf der anderen Seite
    auf dem Womo Platz bei Bernd 😉
    Gruß
    Holger

    • Moin Holger! Sorry erst mal für die verspätete Antwort! Mein Besuch in Meldorf war ja jetzt auch nur kurz und irgendwie etwas fehlgeplant. Zudem hatte ich den Schlüssel des 814 nicht an der Halle deponiert und bekam kurz nach meiner Abreise einen Anschiss vom Hallennachbarn, auf dessen imaginärer Parzelle der Wagen teilweise stand, was mir auch nicht gerade zu innerer Ruhe verhalf. In den kalten Monaten ist das Stehen an der Nordsee ja echt entspannt, keinen stört es.
      Na gut, irgendwann klappt es schon noch, dass wir uns über den Weg fahren. 🙂 Viele Grüße aus Thüringen!

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