Spazierfahrt

Seit ein paar Tagen habe ich Besuch hier und wir basteln. Was wir basteln, wird vorerst nicht verraten. Getroffen hatten wir uns auf dem Parkplatz am Kreisverkehr, was unseren Arbeitsbeginn auch etwas verzögerte, weil wir von unzähligen Friedhofsbesuchern eingeparkt worden waren. Auf den Stellplatz konnten wir uns Strom legen, nur hinfahren konnten wir eben nicht…

In der Nacht nach unserem Umzug auf den Stellplatz nutzte ich die Kabeltrommel zum Laden meiner Bordakkus. Obwohl nur 100AH aus den Akkus fehlten, war die Spannung unter Laptop-Last auf 10V gesunken. Ohne Last hatte ich sofort wieder 11V anliegen, also alles noch im grünen Bereich. Trotzdem, bei 2x225AH Akkukapazität sollte ich wenigstens 200 AH entnehmen können, bevor die Spannung auf 11V runter ist. Erst dachte ich, dass die doch recht günstigen Blei-Flüssigsäure Akkus langsam ihren Geist aufgeben. Es war aber am Ende doch nur ein Rechenfehler des Batteriecomputers, also mein Fehler, weil ich den noch nicht richtig konfiguriert habe… Bei einer späteren Messung (also mit den dann richtig vollen Akkus) konnte ich 100AH entnehmen und die Spannung lag noch über 12V.

Was das Volladen der Akkus noch gebracht hatte, war übelster Brandgeruch, den ich zunächst nicht orten konnte. Ich schnüffelte im Wohnraum herum, hatte zuerst die Ladegeräte in Verdacht. Nichts zu finden. Als ich dann aber aufs Klo ging, hatte ich sofort die Erleuchtung. In der Nasszelle roch es nämlich so richtig fies elektrisch-verbrannt. Scheiße, das ist der Verstärker im Fahrerhaus! Fahrertür auf und schon war ich sicher. So holte ich mir Werkzeug und legte eine spontane Nachtschicht ein, um die Endstufe auszubauen. Am nächsten Abend schraubte ich sie mal auf, sah aber nichts. Hätte ich aber gekonnt. Bei einem späteren Blick sah ich sofort deutliche Spuren, ein Kondensator war geplatzt. Reparieren oder neu, das war jetzt die Frage.

Neu schaffte ich mir einen Satz Torx Schraubendreher an. Nichts allzu Teures, brauche die Dinger ja eher selten. Dumme Idee! Nach 12 kleinen Schrauben in Weichholz war der T10 hinüber. Na den Schrott bringe ich zurück. Vorerst kaufe ich wohl auch keine hochwertigeren Dreher, die brauche ich echt zu selten und die Torx aus dem Ratschenkasten funktionieren ja, sind nur nicht gerade ergonomisch.

Jetzt kommt die Überschrift zum Tragen: Ich fuhr nach Bremerhaven, um dort ein paar Teile für den 814er zu holen. Für die Fahrt hatte ich drei Optionen. Erstens über Hamburg, das wären etwa 270km über Autobahnen. Die zweite beinhaltete eine Fährfahrt über die Elbe (Glückstadt-Wischhafen) zum Preis von 22Euro, dafür sparte ich 150km Strecke, müsste allerdings über Landstraßen die verbleibenden 120km fahren. Nummer drei wäre die neue Elbe-Fährlinie Brundbüttel-Cuxhaven, was fahrtstreckenmäßig das Optimum gewesen wäre. Nur die 145 Euro für die 70 Minuten Überfahrt passten mir nicht in den Kram. So fiel die Wahl auf Option zwei.

In Burg ging es kostenlos per Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal. Anschließend steuerte ich den Stellplatz in Wilster an, eine unausweichliche Ver-/Entsorgung stand auf dem Programm. Die Zufahrt zum Stellplatz ist bestens getarnt. Stattdessen steht ein von der Straße aus gut sichtbares Schild dort, das einen in die falsche Richtung lotst. Raffiniert gemacht, aber ich fand nach einem spannenden Wendemanöver doch noch hin und erledigte meine Hausaufgaben. Der Stellplatz hat eine eigene Security, die mit silber-blauen Fahrzeugen mit Blaulichtern ausgestattet ist und ihren Stützpunkt direkt an der Zufahrt hat. Hier, so viel ist sicher, wird es keinen der oft gefürchteten Gasüberfälle geben, hier steht man absolut sicher. Der Stellplatz ist prinzipiell auch nicht übel, nur so rein garnicht mein Fall.

Kurze Zeit später fuhr ich am Kraftwerk Brokdorf vorbei. Plötzlich war es da, zwischen bekuhten Wiesen und in dieser superländlichen Gegend. Seltsam, ich kannte bisher nur Kraftwerke in städtischer Umgebung – und Brokdorf nur von diversen Geschichten. Jetzt habe ich es live gesehen, ändert aber auch nur wenig… 😉

Und während ich so nachdachte, stand ich auch schon in der Schlange zur Fähre. Während der Ferienzeit muss es hier einen ziemlich gewaltigen Rückstau geben, schon weit vor der Anlegestelle weisen Schilder auf Toiletten hin. Ich kam aber ziemlich weit. Schon bei der zweiten Fähre wäre ich dran gewesen, aber meine 11 Meter passten dann doch nicht mehr. So wurden zwei PKW von hinter mir noch nebeneinander gepfercht und ich wartete nochmal 10 Minuten. Damit konnte ich gut leben, Wetter und Laune waren bestens. Ich rief meine Abholstelle in Bremerhaven an, um den Zwischenstand zu übermitteln.

Fähre macht Spaß. Ich hatte einen Randplatz zugewiesen bekommen, von wo aus Happy sogar zur Schiebetür direkt aufs Wasser raus schauen konnte. Klar wollte der unbedingt aus dem Wagen, aber zum Wasser hätte er ja eh nicht gekonnt. Auf Fähren schaut er immer etwas unhappy, aber er kennt die Dinger von unseren Fahrten über den Nord-Ostsee-Kanal, wo wir schon oft spazieren waren. Die NOK-Fähren sind ja kostenlos, insofern geht man auch mal gerne auf der anderen Kanalseite gassinieren. Glückstadt-Wischhafen war aber bisher die längste gemeinsame Fährfahrt für uns, an dieser Stelle ist die Elbe schon enorm breit.

In Wischhafen machte ich an einem Supermarkt eine kleine Pause. Danach ging es im Tiefflug bis nach Bremerhaven. Nach dem Verladen der Teile schaute ich online nach einer Parkmöglichkeit für die Nacht. Mangels besserer Idee fuhr ich einfach wieder Richtung Wischhafen. Auf etwa halber Strecke dorthin sah ich Schilder zu Gewerbegebieten in Lamstedt. Zwei Versuche zeigten aber nur ungemütliche Plätze, die ich nur im Notfall nutzen wollte. Aber ich fand einen ruhigen Platz mit ruhiger Nachbarschaft -hinter dem Friedhof-, perfekt. Einmal ums Quadrat gefahren und schon stand ich in die richtige Richtung. Von hier aus ist man direkt auf den Feldern, wo man schön spazieren gehen kann. Ich blieb zwei Nächte stehen.

Auch dieses Mal hatte ich einen Randplatz auf der Fähre, aber mit der linken Seite nach außen, so ließ ich die Schiebetür gleich ganz zu. In diese Richtung macht die Fähre ein regelrechtes Schiffsballett. Ablegen, eine Drehung auf der Stelle, dann die Überfahrt mit den Fahrzeugen gegen die Fahrtrichtung (so schnell war ich rückwärts mit Anhänger noch nie! 😉 ) und vor dem Anlegen logischerweise wieder eine Drehung.

Ich nahm wieder die kleine Fähre nach Burg über den NOK. Wahrscheinlich wäre Hochdonn die bessere Wahl, aber meine Navigöse bevorzugt nunmal Burg. So musste ich wieder auf die nächste Fahrt warten, weil ich mir nicht sicher war, ob der Restplatz ausreichte. Besser warten als rückwärts wieder von der Fähre zu müssen. Ich hatte ja auch Zeit. In Meldorf ging ich noch schnell ein Abendessen im Supermarkt holen, dann fuhr ich wieder in unsere Schrauberecke am Stellplatz. Kurz nach mir kam auch mein Besuch wieder von seinem Trip zurück.

Am nächsten Tag parkten wir in die Zufahrt des Stellplatzes um, wo wir ein ehemaliges Gestell zum Parken der Einkaufswagen als Werkbank benutzen konnten. Als unsere gemeinsame Arbeit erledigt war, baute ich meine neue Endstufe ein. Ohne Musik geht garnicht! Ich war schon ganz heiser vom Singen. Der chinesische Blaupunkt Verstärker ist ein prima Ersatz für die schon in die Jahre gekommene (und suizidale) Audison VR209. Der neue hat richtig Power und klingt gut, ich jedenfalls merke keinen negativen Unterschied zu vorher. Mal sehen wie lange die Freude anhält…

4 Gedanken zu „Spazierfahrt

  1. Moin, geil wie du die anlage tarnst, gefällt mir. Bei meinem Aquarium weiß ich gar nicht wohin damit, ist bestimmt keine drei Tage drin wenn ich den mal irgendwo unbewacht stehen lasse.
    Die Beute für den 814: Soll das ne Platform werden?
    Ich finde den Wagen von dem BERÜHMTEN stephan Hack ganz gut, zumindest was die Aufteilung angeht. Auch hätte ich gerne einen Holzofen, ist so gemütlich im Winter.
    Was hältst du eigentlich von einem Pferdetransporter als Basis? Aufbau aus Alu, meisten schon eine Seitentür drin. Gibt ein paar mit H Kennzeichen im Netz. Ich finde die Tarnung nicht schlecht! Gruss M.

    • Moin Martin! Erst tarnen und dann ins Netz stellen… 😀 Ich denke ja eher, dass man als Dieb in einem alten Womo keine Stereoanlage vermutet und sich lieber bei der Fraktion mit der Tieflage bedient. Trotzdem ist außer dem Radio selber nichts mit ein paar Handgriffen zu entfernen. Weiß garnicht warum, der Kram hat einen Wert von insgesamt 200 Euro oder so. 🙂
      Teil der „Beute“ ist ein Motorradträger, japp.
      Holzofen als Zusatz finde ich auch toll. Als einzige und Hauptheizung ist das nichts für mich, aber auch da kann man unterschiedlicher Meinung sein.
      Beim Stefan wüsse ich garnicht, wohin ich meinen Kram tun sollte. Platz und Raumgefühl ist schön, aber unter die Spartaner will ich nicht gehen.
      Pferdetransporter ja und nein. Die haben bestimmt ihre Vorteile, wenn man auf große Verladeluken steht. Hab sowas schon zur Terrasse umgebaut gesehen, Möglichkeiten gibt es da immer. Die Bodenplatten würde ich wohl tauschen; Pferdegeruch ist zwar (für mich) angenehm, aber immer muss ich ihn auch nicht haben. Mehr Arbeit als an meinem Möbellaster kann so ein Pferdetransporter wohl auch nicht sein…
      Tarnung ja – wenn man ihn nicht mitten in die Stadt stellt… 😉
      Ich merke schon, Du wechselst demnächst doch noch den Wagen… 🙂

      • War heute mal am Speicherkoog ein wenig spazierenfahren und dann noch den Dom anschauen und einen Kaffe schlürfen. Hab deinen schickes Gespann gesehen, sind dann aber weiter, man will ja nicht distanzlos sein, hihi.
        die Nacht davor war ich in Heidkate bei Wind einer meiner Lieblingsstellplätze, zwar teuer aber schickes Klo und geil zum Windsurfen. Hab da einen abgelastetnen 12 t, ehemals Möbelwagen gesehen. War ein netter Hamburge mit 23 Kindern. Da hab ich echt lust bekommen mir jetzt auch ein neues Projekt zu suchen. geil war die Trumaheizung. Verbaut war die ohne das übliche rundrum Gedöns. Einfach ein halb durchgesäger Einkaufswagen drüber und fertig! Gruss Martin

        • Moin Martin! Och, hättest ruhig mal durchklingeln können, ich bin da nicht ganz so empfindlich. 🙂
          Das mit der offenen Truma habe ich schon öfters in einfach ausgebauten Wohnbussen gesehen. Bestimmt keine schlechte Sache, wenn man kein Trumavent verbauen will. In dem Kasten für die Heizung geht immer ein Haufen Wärme im Schrank verloren, wenn das Gebläse nichts wegsaugt. Und wenn das Gebläse läuft, kommt keine direkte Wärme mehr von der Heizung, auch doof. Na mal sehen ob das nicht eine Option für meinen 814 ist… 🙂

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