814 Beschraubung 2

Planmäßig ging es heute früh wieder ans Werk. Wie befürchtet war die Blase in der Handfläche ein echtes Problem. Ich verlagerte nach Möglichkeit die Arbeiten nach links, aber meistens funktionierte das schlicht und ergreifend nicht. Die Bohrmaschine kann ich beidhändig bedienen, aber kräftig hämmern eben nur mit Rechts. Wenn ich mit Links zu hämmern versuche, halte ich den Meißel garantiert nicht mit der rechten Hand fest. Ohne Festhalten geht es aber auch wieder nicht…

Entsprechend langsam ging alles vonstatten. Zuerst nahm ich die vorderste Bodenplatte heraus. Die war nur eine halbe Portion und fast überall so morsch, dass ich sie nur an der Nut-und-Feder Verbindung zur 2. Platte gewaltsam anheben musste, um sie herausnehmen zu können. Ein richtiger Schwamm, ekelig anzufassen. Unter der Platte sieht es schlimm aus, aber auch wieder nicht so schlimm, wie ich es mir in den letzten Träumen ausgemalt hatte. Manchmal ist negatives Denken eben auch von Vorteil, so kann man sich positiv überraschen lassen. Nach dieser Hämmerei tat mir die Hand weh. Die vormals hautfarbene Verblasung hatte zu sattem Rot gewechselt und fühlte sich sichtlich auch nicht wohl in ihrer Haut – äh, meiner Haut!

Platte Nummer 2 musste ich komplett los bohren, außer an den morschen Rändern, wie gehabt. Bohren funktioniert mit der Hand ganz gut, immerhin etwas. Hochheben ließ sich die Platte aber trotzdem nicht. Klar, die Gewindegänge, so weit noch vorhanden, krallen sich in das Holz. Vorne konnte ich die Schrauben abmeißeln, in der Mitte eher nicht. Ich kloppte den Flachmeißel zwischen Hilfsrahmen und Holz, dann den dicken Meißel danaben. Stück für Stück hob sich der Boden. Irgendwann hatte er verloren und ich konnte ihn vorne ein Stück anheben. Sauschwer! Da die Platten sowieso nur noch Abfall sind, wollte ich Nummer 2 nach hinten umklappen. Erst musste ich noch unten die Schläuche der Zusatzheizung von ihr lösen, danach waren die Zurrschienen innen am Koffer im Weg. Scheiße!

Also machte ich eine Pause von der Hämmerei und zog unter Zuhilfenahme des Heißluftgebläses die unteren Hälften der Seitenfolien ab. Das ist gute Folie, die bleibt zwar nicht immer am Stück, aber sie geht wenigstens komplett mit dem Kleber ab. Wäre das nicht so, hätte ich beim Lackieren ein echtes Problem gehabt. Okay, wäre der Lack unter der Folie vernünftig vorgearbeitet worden, hätte ich den Koffer garnicht lackieren müssen. Naja, ist so wie es ist. Trotz allem dauerte das Entfernen echt lange. Weil ich die Heißluftpuste gerade in den Händen hielt, prokelte ich noch die Beschriftung von den Türen, natürlich auch nicht, ohne dummes Zeug dabei zu machen… 😉

Zeit für eine Mittagspause. Ich sparte mir die Hunderunde, Happy war mit einem Stück Rinderkopfhaut glücklich, ich mit zwei Scheiben Brot und drei kleinen Würsten. Ach ja, vorhin war ich kurz am Düdo gewesen und hatte etwas geholt, da war mein temporärer Nachbar, vor dessen Haus ich gerade parke, in seinem Garten zu mir gekommen. „Wohnst Du da drin?“ Jaaa. 🙂 Ich sagte, dass ich im Nachbarbetrieb am anderen Wagen am Werkeln bin. „Brauchste Strom?“ – Hey, wie cool ist das denn!? Ich dankte für das Angebot, erwiderte aber, dass momentan noch alles prima sei. „Sag bescheid wenn Du brauchst.“ Da komme ich am Montag gerne drauf zurück! Schon wieder eine Begegnung der beliebten Art. Musste meine Freude darüber auch gleich bei der Mittagspause online teilen. Noch eine heiße Schokolade in den Kopf, dann ging ich wieder in die Halle.

Jetzt schraubte ich die Zurrschienen los. Die rechte untere fiel von selber ab, die linke untere mit etwas Ziehen. Die oberen wussten jedoch ganz genau, wo sie sein wollten. Die linke musste ich gewaltsam abreißen, wobei sich gleich noch stellenweise die GFK-Schicht aufriss. Die Schiene ist nun auch teilweise krumm. Die rechte Schiene ist bis dato an ihrem angestammten Platz, ich hatte keine Kraft und keine Priorität mehr dafür. Ich kloppte noch die durchgehenden Schrauben der unteren Schienen nach außen durch und zog sie außen mit der Zange raus. Nun hatte ich genug Platz um Platte Nummer 2 nach hinten umzuklappen. Reichlich Staub und Dreck wirbelten auf, Flucht.

Ich schnappte mir einen Lappen mit Verdünnung und rieb die Kleberreste der Beschriftungen von den Türen. Danach hatte ich hinten wieder atembare Luft und wuchtete die sackig schwere Platte Nummer 2 aus dem Laderaum. Ich kann es nur grob schätzen, aber auf etwa 60 bis 70 Kilo tippe ich. Genug schwere Arbeiten für heute. Ich schnappte mir ein herumstehendes Arbeitspodest und die Heißluftpistole und befreite den Dachspoiler von der Werbung. Dieser Aufkleber war anders als die der Seitenwände. Der Kleber hatte sich im Spoiler festgebissen und das Abziehen der Folien war echt anstrengend. Jetzt sieht das richtig schlimm aus, überall noch silbergrauer Kleber. Keine Ahnung was ich da mache, jedenfalls plane ich aktuell keine Verdünnerorgie. Eher noch bringe ich eine weiße Klebefolie darauf an, aber selbst die habe ich natürlich nicht dabei. Ich fegte die abgefallenen und abgerissenen Überreste meines Wagens weg und räumte das Werkzeug zusammen. Feierabend in Sicht.

Mein Hallengeber kam, um mal einen Blick auf die Hilfsrahmen zu werfen. Ich tendiere ja zum Komplettersatz des vordersten Querträgers, mein „Chef“ meint, dass ich eher nur die Seitenstücke außerhalb der Längsrahmen ersetzen soll. Die Entscheidung liegt am Ende natürlich bei mir. Mir wäre wohler, wenn nicht ausgerechnet an den Stellen der größten Belastung Schweißnähte wären. Andererseits wäre es wesentlich weniger Aufwand. Aber gut, das musste ich ja auch nicht heute entscheiden.

Jetzt kam die angenehmste Tätigkeit der letzten zwei Tage: Duschen. Die Dusche ist zwar nur etwas für die Not, aber sie war mir lieber als garkeine. Es ist nur eine flache Duschtasse in der Ecke, aber keine Duschwände oder wenigstens ein Vorhang. Und der Raum ist eher Abstellraum als Bad, also durfte ich nicht zu viel nebendran nass machen. Die schwierige Aufgabe war nun, mit einer sehr feinstrahligen Brause mit großem Abstrahlwinkel zu duschen, ohne dass nachher der ganze Raum schwamm. Eine nahezu unlösbare Aufgabe. Richtig duschen ist auch anders. Trotzdem, ich war glücklich und dankbar. Vielleicht sollte ich einen Satz Duschwände sponsern, wäre ja nicht ganz uneigennützig… 😉

Wieder am Düdo, war die Gasflasche leer. Na super, immer noch kein Feierabend. Beim Wechseln der Flasche bemerkte ich das fehlen der Dichtung am Flaschenventil. Na jetzt kotze ich aber gleich! Zwei Flaschen leer, eine unbenutzbar, da hätte ich aber kein gutes Gefühl. Ich machte etwas, das man nicht machen darf. Ich puhlte nämlich die Dichtung einer leeren Flasche raus und setzte sie in die volle ein. Passieren kann nicht viel, der Gaskasten ist dicht und hat die vorgeschriebene Entgasungsöffnung im Boden. Sollte also Gas austreten, kann es ins Freie, aber nicht in den Wohn- oder Kofferraum. Muss mal sehen ob ich mir so Dichtungen auf Vorrat anschaffen kann. War zwar das erste Mal, aber es könnte ja auch mal eine defekte Dichtung im Ventil sein.

Ich machte noch eine Stunde Gassi mit Happy. Der raste wie wild die Wege entlang. Klar, der hatte die letzten zwei Tage nur wenig Spaß gehabt und entsprechend Bewegungsdrang. Da es schon dunkel wurde und ich die Gegend hier noch nicht gerade gut kenne, nahm ich neben der Taschenlampe das GPS mit. Einen so kurzen gegangenen Weg wieder zurück finde ich natürlich ohne Hilfe, um aber eine Runde in unbekannter Umgebung zu machen, ist eine Anzeige der möglichen Wege ganz hilfreich. Völlig ungeplant kam ich an zwei Geocaches vorbei, nach denen ich natürlich auch gleich schaute. In Ermangelung eines Schreibgerätes konnte ich vor Ort nicht loggen, obwohl ich fündig geworden war. Was soll’s, ich bin ja noch ein paar Tage in der Gegend. Ich fand einen kürzeren Weg als den gegangenen nach Hause und machte mir dort ein Süppchen heiß. Füße hoch, Fernsehn an, Arsch lecken… 😉

4 Gedanken zu „814 Beschraubung 2

    • Moin Marcus! So wie es aussieht, ja. 😉

      Ich denke nicht dass die Ladung das Problem war, sonst wären die Rahmenträger, wo die Platten keinen Stoß hatten, ja in besserem Zustand. Sind aber alle mehr oder weniger gleich schlecht. Vorne der ganz gammelige Träger bekommt vermutlich immer das Wasser der Vorderräder am schlimmsten ab.

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