Mendig

Die Stellplatz-App von Mobilisten.de ist genial! Ich war auf dem Weg von Köln nach Maxdorf, als ich ziemlich plötzlich keine Lust mehr hatte, weiter zu fahren. Also hielt ich an der Raststätte Brohltal an. Zuerst wollte ich dort nächtigen, aber Rastplätze sind einfach nur laut, ungemütlich und völlig gassiungeeignet. Da fiel mir eben die App ein, die ich erst seit ein paar Tagen installiert habe. Sie ermittelte kurz den Standort, einen weiteren Klick später hatte ich eine Liste vor mir. Da ich Richtung Süden unterwegs bin, suchte ich auch in grob diese Richtung. 10 Kilometer, Mendig, 30 kostenlose Stellplätze, klingt doch super. Keine Viertelstunde später erreichte ich den Platz und hatte schon wieder Feierabend. 24 Stunden darf man hier stehen, das reicht mir sowas von im Überfluss.

Was habe ich letzten Tage so getrieben? Als ich gerade Hodenhagen verlassen wollte, rief mich mein großes Idol an, Ralf aus der Gegend Paderborn.  Er hatte angeboten, mir die Option „innenliegender Einstieg“ für den 814 näher zu bringen. Ich sagte ihm, dass ich als heutiges Ziel die Ecke Paderborn auf dem Plan hätte und vorbei kommen würde, wenn ihm das recht wäre und ich ihn nicht von seiner Arbeit abhalten würde. „Jo, komm rüber!“ Adresse aufgeschrieben, Navi programmiert und los ging es. Es gab die Möglichkeit, 40km zu sparen und ein gutes Stück über Landstraßen zu fahren. Nun, das mag in der Ebene eine gute Idee sein, aber nicht um die Paderborner Alpen. Die Abkürzung hat mich richtig viel Zeit und Nerven gekostet. Aber irgendwann war ich da. Wir machten uns bekannt und unterhielten uns kurz, dann ging ich nochmal schnell mit Happy los. Unterwegs rief mich Ralf an, dass sein Bekannter jetzt mit dessen Hund da wäre und das Tor deswegen geschlossen sei. Ich sollte einfach Happy mitbringen und rein kommen. So tat ich das auch.

Der Bekannte, Oli, war mir auch gleich auf Anhieb sympathisch. Ich konnte Happy rennen lassen, Olis Hund war auch lieb und das Grundstück abgeschlossen. Ralf und Oli arbeiteten an Ralfs zukünftigem Wohnkoffer, der Boden für den Kofferraum sollte montiert werden. Die Temperaturen wollten allerdings nicht so richtig mitspielen, so war das industrielle Sikaflex kaum zu verarbeiten, eine andere Klebepampe wollte sich gleich garnicht verstreichen lassen. Irgendwann merkte ich dann, dass ich durchaus die eine oder andere Hand mit anlegen könnte, wenn ich nicht ausgerechnet eine saubere Jacke anhätte. Na das ließ sich ja leicht ändern, mein Kleiderschrank stand schließlich auf der Straße. Hätte ich auch früher drauf kommen können, jedenfalls machten die Handlangerdienste Spaß. Zwischendrin zeigte mir Oli sein amerikanisches Wohnmobil, eine ziemlich gemütliche Wohnhöhle mit V8 Benzinmotor. Oli hatte es mal günstig angeboten bekommen und konnte nicht widerstehen. H-Kennzeichen hat es schon, jetzt fehlt nur noch ein Umbau auf Gas, dann ist das Ding wohl halbwegs fahrbar.

Während der Arbeit tauschten wir drei immer mal wieder Fragen und Antworten aus. Sehr interessant und auch sehr offen. Ein absolut angenehmes Klima! In einer kurzen Klebepause gab ich auf Anfrage eine kleine Führung durch mein heimisches Reich. „Mehr Platz als ich gedacht hätte!“ Schon, aber auf Dauer eben doch zu eng. Ich liebe die Karre, aber wenn sie nicht mehr passt, muss eben etwas anderes her. Nur selten habe ich mich so ungern von einem Auto getrennt, wie es beim Düdo wird. In so einer langen und turbulententen Zeit wächst man zusammen, wenn man sich aufeinander verlassen kann.

Irgendwann war die Etappe an Ralfs Koffer geschafft und wir verkrümelten uns in seine Werkstatt, wo er eine Runde Verdünnung und Handwaschpaste spendierte. Diese Klebepampen sind echt brutal! Ich greife vor, erst nach 2 Tagen war der Kleber wieder vollständig entfernt. Aber zwei Bierchen in geselliger Runde entschädigten auch für versaute Finger. Am liebsten wäre ich noch ein paar Tage geblieben und hätte mich weiter inspirieren lassen, aber ich hatte schließlich einen unverschiebbaren Folgetermin in Köln. So ging ich nach der Nacht am Straßenrand eine Runde mit Happy und verabschiedete mich nochmals von Ralf. Auf nach Köln!

In Köln -oder schlimmer- in Köln Porz (!) fand ein Treffen zum 10-jährigen Jubiläum der Bus-Community statt, in der ich schon eine ganze Weile Forenmitglied war, mich aber irgendwie nie so richtig eingebracht hatte. Seltsame Geschichte, Foren sind so anonym, aber irgendwie kennen sich die Mitglieder doch oft persönlich. Man ist als Frischling irgendwie Außenseiter. Selbst wenn man integriert wird, fühlt man sich immer als Außenseiter – zumindest geht es mir so. Ja aber warum war ich denn nicht einfach mal zu jemandem aus dem Forum gefahren, so weit war es doch nicht!? In früheren Foren hatte ich das etwas besser hinbekommen, da war ich recht bald bei einem der Treffen – und danach auf weiteren. Egal, jetzt war die Gelegenheit mehr als günstig und ich hatte sie ergriffen. Obwohl der 814 mir einen Strich durch die Rechnung machen wollte, wollte ich nicht kneifen und fuhr eben nach Köln zurück. Immerhin konnte ich das ja mit der Abholung meiner in der Pfalz verbliebenen Besitztümer kombinieren, ein sehr gutes Argument.

Das Treffen fand in einer großen Schrauberhöhle statt, die der Chef des Forums, wollen wir ihn einfach mal „Vossy“ nennen, zu diesem Anlass leergeräumt und saubergeleckt hatte. Frau Hanne hatte ihm bestimmt geholfen, auf jeden Fall war die Halle auf der Gelände ein idealer Treffensort. Anfangs -dort sind mehrere Firmen ansässig- war ich mir total unsicher, wo ich denn mit meinem 11-Meter Gespann parken sollte, wo doch überall Schilder standen, die das Parken verboten. Ich ging zum Clou-Liner, der da quer stand, klopfte und fragte erstmal, wo ich hin müsste. Die Richtung wurde mir gewiesen und ich latschte zum Tor. Drinnen riefen schon ein paar Leute „Petsi“! Peinlich, ich kannte gerade mal einen oder zwei Leute, war aber irgendwie schon bekannt. Bin ich so ein bunter Hund? Vossy kam kurz mit raus und wies mich an, auf die Parkfläche hinter dem Clou zu fahren. Uiuiui, eng, sehr eng! Ich stellte kurz das Schild des Parkplatzinhabers um und fuhr in einer wenig eleganten Rangieraktion neben das Edelmobil. Etwas missmutig beäugte ich dabei meinen Anhänger im Rückspiegel, dem die Höhenunterschiede zwischen Fahrbahn und Parkfläche nicht gefielen. Gleichzeitig musste ich beim Zurücksetzen noch einen Müllcontainer beachten, der hinter dem Anhänger stand. Eins war sicher, hier würde ich nie wieder raus kommen!

Aber wer will schon raus, das Wochenende hatte schließlich gerade erst begonnen. Und es wurde ein sehr nettes und schönes Wochenende. Am Samstag wagte ich mich zu Netto ins Ghetto. Normalerweise hätte ich ja meinen bösen Beschützerkampfhund mitgenommen, aber ich hatte schlicht und ergreifend Angst gemacht bekommen, dass er gestohlen würde während ich einkaufte. 😉 Und echt, eine krasse Gegend! An der Kasse quatschte mich einer an, der der Zwillingsbruder von einem kinderreichen früheren Bekannten aus Daun hätte sein können. Er laberte erst etwas von den gestiegenen Preisen, dann vom Kindergeld mit dem er jetzt einkaufen ging. Ihm stieß es sauer auf, dass er jetzt im Netto-Makrt in einer immerhin 5 Personen kurzen Schlange stehen sollte, weil nur 2 von 4 Kassen offen waren – und das an einem Samstag. Oha! Also echt ein Zwillingsbruder vom Dauner. Da fiel mir ein, dass der Dauner ursprünglich aus Köln kam… – Nix wie weg, ab an die Halle. Auf der Gelände ist die Welt einfach eine andere. Puh, gerettet!

Abends wurde der Grill angeschmissen. Ich hatte mir extra etwas im Netto gekauft, was ich im Nachhinein nicht hätte tun müssen. Es war so viel Grillmaterial da, dass man halb Porz noch damit hätte füttern können. Okay, zumindest den russischen Teil, der türkische Teil hätte das Schweinefleisch nicht haben wollen, auch verständlich. Ich hatte nichts gegen Schweinereien und postierte mich in der Nähe des Grills. Da draußen hatte sich eine kleine Gruppe gebildet, mit immer mal wieder wechselnder Belegschaft wurden verschiedenste Gespräche geführt – wie das eben so ist, wenn sich Menschen unterhalten… 😉

Der Sonntag bedeutete Aufbruchstimmung, morgens nur gemäßigt, am Nachmittag dann aber richtig forciert. Zumindest für die, die keinen LKW mit Anhänger ihr Eigen nennen und somit nicht bis 22 Uhr Fahrverbot hatten. Letztendlich blieb nur noch ich stehen. Hatte den Vorteil, dass ich sehr bequem ausparken können würde. Gegen 18 Uhr wurde ich aber müde, so richtig müde. Also stellte ich mir den Wecker auf 20 Uhr und legte mich hin. Fast pünktlich, kurz nach 22 Uhr, verließ auch ich der Gelände. Rund anderthalb Stunden später hatte ich dann keine Lust mehr zu fahren… 🙂 Zum Abendessen gab es übrigens eingelegte Putensteaks aus der Pfanne…

2 Gedanken zu „Mendig

    • Moin Nima! Interessanter Bericht vom Düdo und den Plänen damit. Ich kann Euch nur ermutigen, diesen Schritt zu machen, das ortsgebundene Leben in ein mobiles umzuwandeln. Auch wenn es mich nicht in die große weite Welt hinaus zieht, möchte ich mit keinem Steinhausbewohner dieses Planeten mehr tauschen.
      Viele Grüße!

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