Viel Fahrerei

Ja ja, ich hatte es mir selber rausgesucht, ich weiß. Da hatte ich aber auch noch nicht so das Wissen über die Strecke Basel-Freiburg-Tannheim. Heute Nacht wache ich bestimmt irgendwann wieder schreckhaft auf und denke, dass ich beim Fahren eingenickt wäre. So ein doofer Kopf, kann man den nicht irgendwo abschalten?

Nach der recht erholsamen Nacht in Friedrichshafen begannen wir den Tag mit einem ausführlichen Gassi auf der Suche nach dem Bodensee. Viele Naturschutzgebiete, viele Radwege, viele Privatgrundstücke am Wasser. Irgendwann erreichten wir den Campingplatz, aber dort gab es Menschen, sodass wir wieder umkehrten.

Ein gemütliches Frühstück später ging die Fahrt weiter nach 88459 Tannheim, wo ich aus eigenem Interesse Schwerstarbeit auf mich nehmen wollte. Ich war ja etwas skeptisch gewesen, was für ein „Schmuckstück“ ich mir dieses Mal wohl ersteigert hätte.

Meine Frau Navi lotste mich bis vor die im Auktionshaus hinterlegte Adresse. Eine Autoschrauberhöhle wie ich sie liebe. Viele Blaumänner huschten über den Hof oder bastelten an irgendwas. Ein Hund lag im Schatten, er sah original wie Happy aus, Farbe und Zeichnung stimmten voll überein. Hier war ich richtig – dachte ich da jedenfalls noch. Die zwei Düdos hinten auf dem Hof wollten diese Meinung ja auch bestärken. Dummerweise sprachen zwar die von mir Angesprochenen bruchstückhaft meine Sprache, aber niemand konnte mir weiterhelfen, wie ich an mein neues Leichtkraftfahrzeug kommen könnte. Immerhin erfuhr ich recht bald, dass dieser wild zusammengewürfelte Haufen von Garagen, Hallen, Plätzen und Blaumännern eine einzige Firma sei. Also musste es einen Chef geben, der sich hier auskennen sollte. Vermutlich war das auch mein Kontakt. Doch der Gute stellte sich dumm, erst nach und nach kannte er einen **** und wusste urplötzlich auch etwas von einem Cityboy. Na was soll denn dieser Mist? Er erweckte in mir den handfesten Eindruck, dass meine Kontaktperson eher in die Richtung „Schlawiner“ einzusortieren sei. Dass ich eine falsche Adresse hatte unterstrich das. Jetzt plötzlich kam er damit heraus, dass er diesen Mann nicht nur kennt, sondern dass der wohl dort in der Firma mal gearbeitet hatte – oder mehr. Jetzt wäre er aber nicht mehr da. Er deutete in Richtung Nachbargebäude und meinte, dass er dort mal gewesen wäre, nun aber nicht mehr. Oh Mann, solche Unterhaltungen liebe ich vielleicht. Am Ende meinte er nur, ob ich keine Telefonnummer hätte. Doch, klar, aber ich hatte ja auch eine Adresse gehabt, warum sollte ich dann anrufen, wenn ich doch gerade vor der Tür stehe!?

Als ich wieder ans Auto kam, hatte der Verkäufer schon geSMSt, dass es eine andere Adresse wäre, nämlich die des Nachbargebäudes. *grrrrrr*

Wieder wenden und an der kindergartenähnlich gestrichenen Flachhalle nochmal mein Glück probieren. Fast eine halbe Stunde hatte diese Antik-Adresse gekostet, warum hatte der mir nicht auf meine Anfrage hin die Abholadresse geschickt gehabt??? *doppelgrrrrrr*

Aber jetzt war ich ja da – und alles wurde gut. Christopher war ein Netter, der Cityboy exakt wie beschrieben und zudem noch viel besser als befürchtet. Natürlich nicht perfekt, das hatte ich für das Geld auch nicht erwartet, aber auf jeden Fall um Längen besser als mein Hüpfer, Cityboy Nr. 1. Noch dazu war der jetzige günstiger und nahezu fahrbereit. Christopher war ihn gefahren, aber dann ist das Differential verreckt. Naja, dann schauen wir halt mal, was aus dem Kleinen bei mir wird. Aber zunächst muss er mal in den Anhänger.

Christopher meinte dass er mir beim Einladen helfen würde. Okay. Gut. Äh. Der Anhänger ist voll. Ich muss erst alles in den Düdo umräumen. Noch eine halbe Stunde sei er da, ich solle zum Umräumen und Einladen in die Einfahrt fahren, da könnte ich in Ruhe agieren. So fuhr ich rückwärts in die Einfahrt, einfach so. Gut, ich musste schon noch ein paarmal zum Korrigieren etwas vorziehen, aber es war auch ein ziemlich langes Stück und um eine Kurve durch ein Tor hindurch. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Rückwärtsfahren, die weitere Praxis wird das alles noch flüssiger werden lassen. Warum hatte ich mir nicht einen größeren Anhänger gekauft?

In Windeseile lud ich das Dreirad und alle Werkzeugkisten aus dem Anhänger und stellte sie neben den Düdo. Einladen wollte ich in Ruhe, es würde schwierig genug werden, alles unter zu bekommen. Nur der Kompressor und das Schweißgerät blieben im Anhänger. Ich konfigurierte es so, dass kaum was verrutschen konnte. Die Reifen wurden drucklos gemacht, wir hoben den MW vorne rein und schoben ihn so weit es ging nach vorne. Christopher fiel ab hier seinem Handy zum Opfer, aber mein Kleinwagen stand ja schon mit allen Rädern im Anhänger. Ich kam aber nicht mehr an die Lenkung. Ich hätte die Front weiter rechts gebraucht, damit sie am Schweißgerät vorbei ging. Die Scheiben des MW lassen sich nicht herunter kurbeln. Man kann sie zwar mit Werkzeug recht schnell demontieren, aber auch nur dann, wenn man die Tür auf bekommt. Mäh! Ich will auch nicht noch einen Cityboy mit ohne Glas. Ah, Heckklappe! Die ging natürlich nicht mehr ganz auf, aber zum reinkrabbeln reichte es. Nur waren meine Arme zu kurz, ich kam nicht ans Lenkrad. Schimpansen kommen auf die Idee des Werkzeuggebrauchs, ich zum Glück auch. Der Auspuff lag vor mir und in meiner Verzweiflung schnappte ich ihn und drehte mit ihm das Lenkrad nach links. Etwas zurück schieben, nicht zu weit. Jetzt nach rechts lenken – passt! Das Heck hob ich etwas nach rechts, schwer ist „das Ding“ eigentlich nicht. Und jetzt passte er auch perfekt. Das linke Hinterrad zurrte ich mit dem Gurt für das Dreirad fest, Türen zu, Riegel zu, Schloss davor, so konnte der Straßenjunge nicht mehr ausbüchsen.

Als alles Werkzeug im Düdo verstaut war, bleib das Problem mit dem Dreirad bestehen. Den Sitz nahm ich komplett ab. Beim dritten Anlauf schaffte ich eine Drehung ins Auto rein und mit dem Heck auf die Kisten drauf. Jetzt kam ein Gurt um die Sitzfläche der Sitzgruppe und die Hinterachse des Dreirads. Bombenfest. 😉

Die Heimfahrt verlief recht unspektakulär, an den Krieg auf der Bahn hatte ich mich ja schon fast gewöhnt. Außerdem war ich trotz zerrissenen T-Shirts bei bester Laune und wollte mir diese Stimmung auch nicht vermiesen lassen. Selbst die immer wieder eintreffenden Staumeldungen machten mir nichts aus, ich fuhr einfach auf gut Glück und fand selbiges. Kurz vor dem angekündigten Stau riet mir die Autobahn auf elektronischem Weg, über Heilbronn zu fahren. Sie hatte recht, da war alles frei.

Im Großen und Ganzen bin ich super durchgekommen, Stau gab es meistens nur hinter mir und ließ sich auf den einfachen Landstraßen auch nicht vermeiden. Stau und zähfließender Verkehr gehören da sicherlich auch zum Alltag. Wenn ich dort öfters fahren müsste, würde ich über einen bezahlten Fahrer nachdenken… 😉

Im Endpurt drängte sich mir noch Rewe auf. Ich hatte schon gestaunt, wie viele Pfandflaschen ich spazieren fuhr. Und ein paar Dosen, die nehmen die dort auch zurück. 9,25 Euro Pfand. Ich räuberte noch die Makrelen in Wasser – schwer zu bekommendes Material! Ein paar Kleinigkeiten noch, ab zur Kasse. Der ganze Markt ist umgeräumt und ich hatte alle Mühe, mich dort zurecht zu finden. ADHS pur. Aber es kam noch schlimmer. Ich stand schon an der Kasse und wollte gerade den Warenteile auf das Band legen, da meinte jemand hinter mir „Sie können auch zu mir kommen.“ Oh, ich hatte die leere Kasse und die dazugehörende Kassiererin nicht gesehen, obwohl durch die Umräumung der ganze Kassenbereich irgendwie übersichtlicher wirkt. Na gut, mir egal, leere Kassen haben andere Probleme die mich aufhalten würden, diesen Trick kenne ich doch schon. (Wie war das neulich, als ich im Marktkauf die erste Azubi des Jahres erwischt haben müsste…? :-D)

Das Problem war jetzt, dass der ganze Handlungsablauf in meinem Kopf schon fertig gewesen war. Jetzt plötzlich eine Planänderung. Mir egal, Planänderungen kenne ich ja eigentlich. Doch mein Kopf sah das anders. Plötzlich sollte alles spiegelverkehrt und auch noch unter anderen Umständen stattfinden. Nach diesem Tag zu viel des Guten. Zuerst rempelte ich fast die Palette mit den Schokoeiern um, weil der Wagen irgendwie total verkehrt fuhr. Dann schnappte ich mir an der leeren Kasse einen Warenteiler, den ich aber beim Bemerken dieses Unfugs wieder zurück legte. Ich lachte und meinte nur „Sowas dürfen Sie nicht machen, Sie haben mich jetzt völlig aus dem Konzept gebracht.“ Sie nahm es mit Humor, ich habe da ja sowieso keine andere Wahl. Aber ich kann mich ja sogar noch toppen. Ich hatte natürlich nicht großartig mitgezählt, wie viel ich gekauft hatte. Eigentlich wollte ich ja nur die Makrelen geholt haben, jetzt war es aber etwas mehr geworden. Das Pfandgeld als Anzahlung, reichte mir wegen 3 Cent mein Geld nicht. LOL, war ja klar. Aber 3 Cent mit EC-Karte bezahlen, dabei die dreimalige Falscheingabe der PIN riskieren, anschließend die Kasse klein kloppen müssen und verhaftet werden? – Niemals! Also schlappte ich ans Auto und holte dort nochmal Geld. Später fand ich im Auto noch 4 Flaschen á 25 Cent Pfand, die ich übersehen hatte… – ja darf das wahr sein??? 😀

Ich bin reif für den Urlaub, diese Fahrerei ist nichts für mich!

Tag zuende? Weit gefehlt! Im Heimathafen-Süd galt es nämlich erst mal, den MW aus dem Anhänger zu befreien. Zwei Schaltafeln als Rampen, musste ich das meiste doch raus heben, so einen Winkel kann der MW nicht überfahren. Jetzt wieder Luft auf die Räder, zum Glück hat der geladene Kompressor im Anhänger parat gestanden. Nun rollte der Cityboy in seine neue Heimat.

Happy wollte auch wieder in seine Heimat, oder vielmehr sein Heim. Mir ging es genauso. Also mussten die ganzen Kisten wieder raus. Ich kuppelte den Anhänger ab und fuhr eine Runde um den Block. Wow, ein Renn-Düdo! Ab in den Hof, das Dreirad wieder ausgeladen und fahrbereit gemacht, danach die ganzen Kisten in die Werkstatt geräumt. Schon wieder nassgeschwitzt.

Aufgedreht wie ich war, erledigte ich noch diverse Sachen, bevor mich die Ruhe zurück hatte. Der Spritkonsum wurde eingetragen, meine Privatschrauberseiten bekamen einen MW mehr und der Blog wächst gerade um einige weitere Zeilen. Ins Tippen vertieft, verstrichen die Stunden dann wie im Flug. Und schon bin ich wieder auf Petsi-Normalzeit. Das war ja schnell gegangen… 😀

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