Aufbruchstimmung und Standplatzwechsel

Von Bernd war bei meinem Aufwachen nicht mal mehr ein Kondensstreifen zu sehen, wir hatten uns gestern Abend schon verabschiedet. Die Besatzung des Phoenix schräg hinter mir machte sich gegen 15:30 flugfertig, die offizielle Verabschiedung war davor schon planmäßig abgehandelt worden. 😉

Wir hatten noch festgestellt, dass wir zunächst das gleiche Ziel haben, nur etwa 24 Stunden zeitversetzt. Ich werde nämlich noch eine Nacht an „meinem“ See verbringen, bevor mein Weg mich über Rastatt ins Grenzland führt. Ich sollte so langsam auch mal fahrfertig räumen und den Anhänger ankuppeln…

[ZEITSPRUNG]

Mein bisheriger Stellplatz am Straßenrand nahe des Sees war zwar nicht vollständig zugeparkt, aber doch ein gutes Stück kürzer als vorher. Eigentlich nur um mal abzuwarten, bog ich links ab und rangierte rückwärts an den rechten Straßenrand, halt einen Meter VOR das Parkverbotsschild. Kurzer Kontrollblick, steht prima, passt. Rechts neben dem Wagen ist noch reichlich Platz für die Rampe und das Dreirad, wie geil parke ich denn hier!? Schwere LKW fahren hier hinten nicht wirklich und wenn, ist für die auch noch genug Platz. So bleibe ich jetzt einfach stehen.

Die erste Amtshandlung war ein offizielles Dreirad-Gassi mit Happy zum See, er war nämlich schon ganz aufgeregt, wusste ganz genau wo wir sind. Zuerst ging es über die gut befahrbaren Wege direkt zum Wasser hin. Er wartete auch nicht lange auf einen fliegenden Stock, sondern paddelte einfach mal los um einen schwimmenden zu finden. Irgendwann erbarmte ich mich und warf ihm einen rein. Es war windig am Wasser und alles Treibholz schon lange gestrandet. Der wäre sonst jetzt noch am Suchen…

Ich hatte auf der Karte mal etwas am See vorbei geschaut, da hinten sah es auch interessant aus. Zwischen der Bahnlinie und dem See geht ein Weg entlang, ich war ihn vor ein paar Tagen auch schon ein Stück gefahren. Es erschien mir aber dann zu unwegsam für meine Tretmaschine zu werden und ich war umgekehrt. Heute nicht, ich wusste mittlerweile ja immerhin, dass der Weg nicht plötzlich irgendwo im Dickicht endet. An einem alten Haus, an dem Zimmerleute gerade am neuen Dachstuhl herumwerkelten, wurde es etwas unwegsam. Aber ich kam durch und ab da war es ein richtig toller und super befahrbarer Weg, ja regelrecht eine Straße.

Nach einem Stück kam ein alter Bahnübergang. Also wie beschreibe ich das, ich hatte ja wieder mal keine Knipse dabei und somit keine Beweisfotos machen können…? Es war ein alter Bahnübergang, keine Zuwegung mehr zu ihm und auch keine befahrbare Füllung mehr zwischen den Gleisen. Auf der gegenüberliegenden Seite würde einen direkt hinter der Schranke ein Feld erwarten, echt ein seltsames Bild. Einfach nur die Schranken stehen schienenbegleitend geschlossen da herum, als hätte man vergessen sie in Rente zu schicken. Sachen gibt’s… 🙂

Also für mich ist klar, dass das nicht mein letzter Aufenthalt auf diesem Fleckchen Erde sein wird. Aber für heute verließ ich ihn nach einem guten Stück Weg wieder. Ich will die Gegend nochmal etwas per Satellit erkunden, vielleicht findet sich da ein Bogen zurück. Auf gut Glück wollte ich das nicht mit Happy im Schlepptau austesten.

Wieder zurück am See wollte er gleich wieder zum Wasser hin. Dann kam eine Frau mit zwei Hunden und zwei Bällen. Die Hunde begrüßten sich untereinander und schon war Happy da, wo die Bälle auch waren. Dummerweise wartete die Frau nicht, bis sich mein Hund mal wieder kurz auf mich konzentrierte und ich wieder Kontrolle über ihn erlangen könnte. Sie nahm einen Stein und warf ihn ins Wasser. Happy natürlich wie ein Wilder rein und war völlig im Konkurrenzkampf mit den anderen beiden Hunden vertieft, dass er nicht mal merkte, dass er alleine im Wasser war. Und natürlich war er so auf die Suche nach „dem Ding“, das da ja irgendwo schwimmen musste, er hatte es schließlich landen sehen. Kein Pfeifen und kein Rufen half, ich ließ ihn paddeln, immerhin suchte er ja nicht zu weit draußen. Die Frau bot mir einen Ball leihweise an, aber ich verzichtete dankend. Sie hatte mir doch schon so prima geholfen gehabt…

Eine Weile paddelte Happy da herum, bevor mir eine Idee zur Selbsthilfe kam. Ich las einen kleinen Stock vom Boden auf und warf ihm den ins Wasser, als sein Blick mal wieder etwa in meine Richtung ging. Das funktionierte! Er sammelte den Stock ein und kam ans Ufer gepaddelt. Er wollte gleich wieder zu den beiden Hunden, aber ich nahm ihn an die Leine und wir gingen dreiradeln. Aber nicht mehr weit, ans Auto und fertig. Genug Bewegung für heute, wenn man die Fahrstecke des Stellplatzwechsels mitrechnet… 😉

Jetzt sollte eigentlich der Feierabend beginnen, halt noch bloggen und dann gut für heute. Aber ich sollte es erst noch mit der Polizei zu tun bekommen. Mein Navi steckte noch in seiner Halterung im Fahrerhaus, weswegen ich eben nochmal ausstieg. Ein kleiner schwarzer Hund kam aus Richtung Tierheim angewackelt. Als er merkte dass ich ihn ansah, blieb er stehen. Ich versuchte ihn anzulocken, weil ich weit und breit keinen dazugehörenden Menschen sehen konnte. Er kam aber nicht. Ich versteckte mich hinter dem Auto und spitzelte war er wohl machen würde. Er lief weiter, fast in meine Richtung. Ich zeigte mich wieder und versuchte ihn anzulocken. Zwei Radfahrer kamen laut schnatternd vom See her gefahren. Sie kümmerten sich einen feuchten Scheißdreck um den kleinen Hund und um mich, der ihn anzulocken versuchte. Vor lauter Schreck lief der Kleine wieder weit den Weg rein, Richtung Tierheim. Aber er kam auch recht fix wieder zurück, die Neugier schien ihn gepackt zu haben. „Hast Du Hunger? Willst Du Futter?“ Auf „Futter“ reagierte er. Ich ging ans Auto und holte ein paar von Happys Krümeln. Aber er traute dem Frieden nicht, außerdem waren meine Krümel Müll! 😀

Ein Mercedes kam angefahren. Ich befürchtete ja schon das Schlimmste, aber ganz im Gegenteil hielt er an, der Motor wurde abgeschaltet und eine Frau fragte aus dem Fahrerfenster, ob ich meinen Hund einzufangen versuchte. „Nein, ist nicht meiner, der kam da herrenlos angetrottet.“ Jetzt kam die Frau, schon etwas älter, und brachte ihre Geheimwaffe: Wiener Würstchen, kleingeschnippelt im Beutel. Da konnte selbst der kleine Racker nicht widerstehen und holte sich ganz vorsichtig ein Stückchen ab. Er ließ sich aber nicht anfassen, war immer fluchtbereit. Ich holte ein Nylonseil aus dem Kofferraum und machte eine Schlaufe hinein. Bei Weitem nicht ideal, aber besser als nichts. An so einem Hund ist zwar hinten extra ein Haltegriff angewachsen, aber viele Hunde mögen dessen Benutzung nicht und versuchen zu beißen… 😉 Es funktionierte aber hervorragend, ich gab dem Hundchen immer ein Drittel bis die Hälfte von einem Wurststückchen und fasste ihn gleichzeitig mit der anderen Hand an. Erst etwas am Hals, dann an der Schulter, dann an der Seite und zum Schluss im Genick. Jetzt hatte ich sein Vertrauen gewonnen. Beim nächsten Anlauf würde ich ihm die Schlaufe um den Hals legen. Aber er zuckte zurück. Erst mit noch mehr Ruhe und Geduld und ein paar weiteren Anläufen klappte es. Schlinge drum, zuziehen, hab ihn! Als er das merkte, sprang er erschrocken zurück. Ich hatte ihn aber ganz locker gelassen und so fühlte er sich nicht gefangen und kam gleich wieder an. Die Frau rief die Hundestaffel der Polizei und die schickten jemanden vorbei.

Von der Wurst war nichts mehr übrig und der kleine Zappelphillip beschäftigte sich stattdessen mit mir. Er versuchte mich überall abzulecken und auch dauernd zu bespringen. Auf ein scharfes „NEIN!“ reagierte er auch, mehr oder weniger wenigstens. Total aufgedreht, der Kleine. Er ließ sich von mir auf den Rücken drehen und an Brust und Bauch kraulen. Zwischen meinen Beinen blieb er minutenlang so liegen und genoss einfach nur, dass sich jemand mit ihm beschäftigte. Nur die ganzen Kletten aus seinem Fell, die wollte er sich von mir nicht rausmachen lassen. Er hatte auch ganz viele an der Schnauze. Hartnäckig bekam ich spielend die meisten raus bevor der Hund in Behördenhand über ging.

Wir wissen jetzt nicht ob der Kleine ausgerissen ist oder ausgesetzt wurde. Die Frau erzählte mir, dass da schon oft Hunde ausgesetzt worden wären. Ach keine Ahnung. Ich hab der Polizei jetzt einfach mal meine Karte mit Telefonnummer und E-Mail Adresse in die Hand gedrückt, sie mögen sie doch bitte dem Hund beilegen… 😉
Sollte sich jemand melden, bin ich ja zu nichts verpflichtet…

4 Gedanken zu „Aufbruchstimmung und Standplatzwechsel

    • Ja, schon eine ziemliche Bestie. Ich dachte halt so als Schutzhund für Happy. 😉 Er wird wohl auch nicht mein zweiter Begleiter werden, ist einfach der falsche Typ Hund für mich.

  1. Moin moin, Petsi
    ich wollte mich bei euch eigentlich schon noch Ordnung gemäß abmelden 😆 Aber gegen 7,30h
    rief mich meine Mutter an das mein alter Herr mal wieder in der Wohnung umgefallen ist und ich kommen müsse um ihn wieder auf die Beine zu stellen. Da ich euch nicht so früh wegen dem Abschied wecken wollte, bin ich halt sang und klang los ab gedüst.

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