Schaf getötet

Ich musste zuerst überlegen, poste ich das jetzt in der Laberweitung oder hier. Aber doch, „unterwegs“ ist schon richtig, zu Hause hätte ich das nicht erlebt…

Vorhin kam hier ein Mann im weißen Arbeitsgewand an. Ich hatte ihn zuerst für einen Maler gehalten, er stellte sich aber nachher als Metzger heraus. Ich hatte die Wahl, diesem Tötungsspektakel beizuwohnen oder nicht. Als notorischer Fleischfresser hielt ich es aber doch für angebracht, mir dieses alltägliche Morden mal aus der Nähe anzusehen.

Das Schaf wurde eingefangen und auf den Boden gezwungen. Das Bolzenschussgerät war schon geladen und für seinen Einsatz bereit. Der Schlachter setzte es hinten am Kopf oder Genick (ich bin Laie, ich kann das nicht so richtig zuordnen) an, wartete noch einen Augenblick um sicherzugehen, dass das Tier ruhig liegen blieb, dann knallte es. Das Schaf sackte in sich zusammen. Tot. (Nachtrag: Siehe Kommentare!) Jetzt wurde am Hals ein Schnitt gemacht, um das Blut ablaufen zu lassen. Hatte ich mir auch schlimmer vorgestellt, das Blut da rauslaufen zu sehen. Aber vielleicht machte es mir nichts aus, weil ich ja wusste, dass das Schaf nichts mehr spürt. Hm…

Das Tier sollte nun an den Hinterbeinen an zwei Haken aufgehängt werden. Zuerst wurde das Fell an den Beinen aufgeschnitten und ein Stück weit abgezogen. Der Schlachter machte einen Schnitt um die Knochen herum und brach die Füße ab. Ein makaberes Schauspiel, muss ich gerade mal sagen. Ich musste zuerst am einen Hinterbein halten, später auf der anderen Seite am Knochen des Beinstumpfes. Noch ganz warm, feucht und glitschig. Jetzt rochen meine Hände schon nach Schaf, da war es dann auch recht egal. Aber gerne habe ich das bestimmt nicht angefasst. Haken wurden bei den Gelenken eingeführt, dann wuchteten die beiden (ich wollte nicht mit anpacken, da war alles ziemlich blutig) den Kadaver in die Höhe und hängten die Haken in die am Gebälk des Vordaches abgebrachten Stricke. Sah schon etwas traurig aus, wie es nun dort aufgespannt hing.

Jetzt wurde das Fell abgezogen. Ich bekam nur die allerersten Momente mit, weil ich danach zum Wasserholen weggeschickt wurde. Na gut, das hatte ich auch schon mal in einem Video gesehen, wie sowas aussieht. Als ich wiederkam, trennte der Schlachter gerade den Kopf ab. Die Vorderfüße waren auch schon amputiert. Mit einem Stück Bindfaden wurde nun der Schlund zugebunden, damit beim Herausziehen nicht die ganze Brühe rausläuft. Ich wusste schon, dass mir nun der widerlichste Part der ganzen Aktion bevorstand: Die Eingeweide müssen raus. Der Bauch wurde aufgeschnitten und schon lag die ganze Pampe in ihrer vollsten Pracht frei. Hier und da wurde etwas geschnitten, dann begann das Ausweiden. Zischendrin zweimal eine Pause, in der die Leber und die Niere(n?) inspiziert wurden. Dann weiter. Mit einem Klatsch landete das ganze Gewurschtel im Maurerkübel.

Den Abschluss dieser Tiertötung stellte das Zerlegen der jetzt nutzbaren Reste dar. 29 Kilogramm Fleisch und Knochen, wie sich später beim Wiegen herausstellte. Das Sägen der Knochen ist ein unschönes Geräusch, der Metzgermeister spottete noch, dass das Vieh schon steinalt gewesen sein müsse, weil die Knochen so hart seien. Getrennt wurde in zwei Rippenpaare, die Rückenpartie und 4 Beinstücke. Puh, geschafft. Und zum Glück auch, ohne mich zu sehr dabei zu blamieren. Zwar wurde ich immer wieder mit „Stadtkind“ betitelt, aber als ganz richtig sehe ich das so auch wieder nicht an. Egal, dies war mein erster Schlachtungsbeisitz gewesen. War auch nicht so schlimm, fand ich. Ich wurde eingeladen, in 2 Tagen das Fleisch weiter zu verarbeiten. „Getauft biste ja jetzt schon…“, sagte der Schlachter.

Naja, mal sehen, würde mich ja schon interessieren wie es nun weitergeht. Ich half noch beim Wegräumen der Reste (igittigittigitt, der Kübel nit den Eingeweiden ist echt das Schlimmste), dann fuhr ich zum Einkaufen. Wie immer viel haltbare Wurst. Mahlzeit! – Ach ja… – und ein Fläschchen Rum. Prost!

Gegessen habe ich schon, ich warte aber noch auf meinen Standplatzgeber, bei dem ich unbedingt noch duschen muss. Ich hatte nämlich heute die Decken und Wände im Keller abgekehrt und sehe jetzt aus wie ein Staubmonster. Außerdem rieche ich nach Schaf…

2 Gedanken zu „Schaf getötet

  1. Moin Petsi,
    durch das Bolzenschußgerät war das Schaf nicht tot, ist auch nicht gewollt. Es war nur betäubt. Wäre es tot, würde das Blut nicht austreten. Das Blut tritt aus, weil das Herz so lange schlägt wie Blut da ist, erst dann tritt der Tod ein.

    Wenn Du mal wieder die URL änderst, sag doch bitte Bescheid….
    Gruß Martin

    • Hi Martin!
      Hab da eben mal etwas drüber nachgelesen. Wird ja immer makaberer, die ganze Geschichte. Gut dass ich das gestern noch nicht wusste… Aber gut, so ist das eben: Wer Fleisch essen möchte, muss töten (lassen). Ich fand es auch wirklich interessant, bei so einer Schlachtung mal dabei gewesen zu sein. Kann ich nur empfehlen, dass das jeder Fleischfresser mal macht. Ist jedenfalls ein ganz anderes Kaliber, als nur die saftige Auslage beim Metzger zu betrachten. Wäre aber garantiert kein Beruf für mich.
      Ja, mit der URL hatte ich gestern Nacht aus dem Bauch heraus „gespielt“, sorry. Ich hatte alles schon vor einigen Tagen auf die andere Adresse geschoben und gestern kurzerhand die alte Domain abgeschaltet. Sowas geht bei mir (leider) immer recht spontan, ist halt meine Spielwiese… 😉
      Viele Grüße!

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